Posted by on 9. Februar 2018

Welcome to the South Island!

Auf der Südinsel leben nur etwa 1 Mio. Menschen. Davon leben fast 400.000 in Christchurch. Der höchste Berg ist der 3.754 m hohe Mount Cook.

Nur 35 km Meer trennen die beiden Hauptinseln Neuseelands voneinander. Mit der Fähre komme ich kurz vor Mittag im Hafen von Picton an.

Von Picton nach Blenheim ist irre viel Verkehr. Ich frage mich wo der herkommt, denn die Fähre mit der ich angekommen bin hat lange nicht so viele Fahrzeuge ausgespuckt. Aber hilft nichts, dank gutem Rückenwind bringe ich die 30 km schnell hinter mich und habe gewonnen. Denn von Blenheim habe ich eine wundervolle Route ausgewählt, sie führt durch die Molesworth Station. Auf diesem Weg erwarten mich etwa 150 km Schotterstraße (Molesworth Road). Bereits bei Blenheim sehe ich die ersten Weinberge.

Dann geht es über den ruhigen, (leider grob und neu) geschotterten, 330 m hohen Taylor Pass. Die Landschaft erinnert mich hier stark an das Tal mit der sich im Bau befindlichen Bahnstrecke im Iran, entlang des Flusses Ghezel Uozan (siehe: Iran 2). Weinberge gab es dort allerdings nicht.

Nach der Abfahrt treffe ich Sam aus Christchurch, er kommt mir entgegen und gibt mir Tipps und Informationen über meine bevorstehende Strecke. Er ist gerade nur ein paar Tage unterwegs und hat eine interessantes Gepäcksystem.

Eine Nacht bleibe ich bei der Blairich Bridge Picnic Area am Awatere River, wo man kostenlos zelten darf. Innerhalb von zwei Tagen will ich von hier nach Hanmer Springs, nur leider bietet der Wetterbericht für die nächsten drei Tage extrem schlechtes Wetter mit viel Regen. Ich esse auf und hoffe, dass das nicht ganz so genau zutrifft. Zumindest der Vormittag des nächsten Tages bleibt trocken und ich komme gut voran. Die Strecke hat viele Höhenmeter versteckt, es geht rauf und runter, aber die Landschaft ist traumhaft.

Ja genau da will/muss ich hin. Der Regen wird bald kommen. Die Landschaft erinnert mich wie gesagt an die im Bau befindliche Zugstrecke im Iran, aber auch an Island und irgendwie ist es eine Herr der Ringe Landschaft.

Ich begegne wieder anderen Radfahren, auch sie fahren in die Gegenrichtung. Ihr Gepäck ist an den Fahrrädern im Sinne des bikepackings befestigt.

Nach einem sehr anstrengenden Tag mit 86 km und 1900 Hm erreiche ich um 17 Uhr die Molesworth Station, wo es eine DOC (Department of Conservation) Campsite gibt. Für 8$ kann man hier zelten. Ich bin nass aber zum Glück nicht zu sehr. Ich stelle das Zelt auf, es regnet den ganzen Abend und die Nacht über. Mit mir übernachten noch zwei bikepacker.

Der zweite Tag ist definitiv eine Regenfahrt. Er beginnt mit einem Frühstück im Zelt. Komplett nass packe ich das Zelt ein. Zwei oder drei Stunden bis mittags kann ich noch im Trocknen fahren, aber dann werde ich sehr nass und bleibe es auch bis Hanmer Springs. Die Temperatur ist auf kühle 11-12°C gesunken, das wichtigste ist in Bewegung zu bleiben, sodass ich nicht auskühle. Die Straße führt über den höchsten Punkt auf 1130 m, ich bin in den Wolken. Es geht durch lange flache Täler mit Gegenwind, dort ist die Straße besonders schlecht, Wellblech! Für die Mittagspause taucht genialerweise ein Unterstand auf, der mir ein bißchen Ruhe vor dem Regen bietet. Es gibt Honigbrote und einen Apfel, ein häufiges Veschper für mich in letzter Zeit.

Bald hab ich es geschafft. Das Schild weist noch 14 km bis Hanmer Springs, kurz danach kommt eine Steile Abfahrt, 500 Hm auf nur 7 km. Ich bin vollgesaugt, nass bis auf die Knochen. Meine rot-orangene Aletsch III Jacket von VAUDE ist leider schon lange nicht mehr wasserdicht.

In Hanmer Springs kann ich zwei Nächte bei Graham bleiben. So nass war ich schon lange nicht mehr, aber Graham empfängt mich herzlich und die harten Stunden sind bald vergessen. Ich bin glücklich angekommen zu sein, in einem Haus, im Trocknen. Er schürt für mich das Feuer an und kennt sich aus was ich nach so einem Regentag brauche, denn er hat innerhalb von 2,5 Jahren die Welt umrundet. Dabei hat er mit seinem Rad und Anhänger fast 50.000 km zurückgelegt. www.grumgoesglobal.com

Für mich folgt ein entspannter Ruhetag in Hanmer Springs, ich kann meine Sachen trocknen und am Blog arbeiten. Es regnet die ganze Nacht und den ganzen Tag. Bin ich froh hier zu sein.

Am nächsten Tag ist der Regen vorüber und ich sehe sogar wieder blauen Himmel. 50 km muss ich leider auf Hauptstraßen fahren, danach wird es genial einsam und schön, entlang kleiner Straßen, ein Traum. Kein Verkehr. Und plötzlich ist es sau heiß, wo ich doch gestern noch gefroren habe. Das ist typisch für Neuseeland, in der Sonne ist es zu heiß und gefährlich wegen der starken UV-Strahlung, im Schatten dagegen ist es oft zu kühl. Unter einer großen alten Eiche bei einer Kirche raste ich während der Mittagssonne.

Bald beginnt der Schotter, aber der Weg ist in gutem Zustand und lässt sich gut fahren.

Es gäbe gut geeignete Wildzeltplätze, aber es ist zu früh am Tag und ich will noch weiter. Chance vertan, denn später ist alles eingezäunt und ich komme in eine flache Gegend. Ein Zeltplatz gibt es nicht in der Nähe. Ich bin so unentschlossen was ich machen soll, obwohl die Situation eigentlich klar ist: Ich muss bei einem Haus fragen. Aber irgendwie traue ich mich heut kaum fragen. Endlich finde ich jemanden, er empfiehlt einen Bach einen Kilometer zurück an einem Seitenwege. Ok, ich schaue dort hin. Guter Witz, natürlich ist alles eingezäunt. Also frage ich bei dem Haus dort und endlich habe ich Glück, der nette Mann, Bryce, sagt ich kann im Garten zelten. Beim Aufbauen des Zeltes kommt Bryce und fragt: Did you have tea already? Es ist bereits abends, aber da ich schon eine Weile in Neuseeland bin, weiß ich Bescheid, dass mit tea das Abendessen gemeint ist. Sehr gerne nehme ich die Einladung an. Tatsächlich ist es eine australisch-neuseeländische Familie mit zwei Kindern (leider kein Bild), die erste vor zwei Wochen hier her gezogen sind. Vorher haben sie in Australien (Adelaide) gelebt. Duschen darf ich auch noch. Danke, ich bin froh, doch noch so einen schönen Ort zum Zelten gefunden zu haben.

Es ist der letzte Radeltag allein. Heute werde ich Christchurch erreichen. Ich entscheide mich für geschotterte Nebenstraßen. Ein kleiner Bach versperrt den Weg. Ich teste wie tief die Furt ist, das Wasser reicht mir bis an die Waden, fast bis ans Knie. Das geht; ohne die Frontroller schiebe ich das Rad barfuß hinüber und laufe zum dritten Mal um die Taschen zu holen.

Nachmittags erreiche ich Christchurch, am Strand erfrische ich mich kurz im Meer. Dann fahre ich zu Brian, unserem Gastgeber in Christchurch. Heute ist der 14.1.2018, morgen nachmittag landet Johanna. 🙂

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