Posted by on 15. Dezember 2017

Von Port Augusta aus wollen wir weiter nach Süden, die Großstadt Adelaide umfahrend, sodass wir südlich davon wieder ans Meer gelangen und der Küste bis nach Melbourne folgen.

In gewohnter Weise kaufen wir in Port Augusta für mehrerer Tage ein, viel zu viel wie sich bald heraus stellt, denn alle dann und wann kommt ein kleiner Supermarkt.

Ein weiterer kleiner Drache zeigt sich uns.

Das faszinierende sind die Berge, lange haben wir keine richtigen Berge mehr gesehen. Gut, die Bergkette ist jetzt nicht riesig, aber immerhin müssen wir den 500m hohen Horrocks Pass erklimmen. Ein guter Rückenwind hilft uns dabei und macht das Ganze sehr angenehm.

Oben haben wir eine lange entspannte Rast. Der Horrocks Pass hat eine junge Geschichte, er ist benannt nach John Horrocks, der hier im August 1847 diesen Weg auskundschaftete.

Unser Ziel heute ist Wilmington, wo wir bei Leuten von warmshowers unterkommen. Kurz vor dem Ort werden wir von einem Vogel attackiert, er stürzt sich mehrere Male rasant von hinten oben auf unsere Helme und berührt diese sogar. Sehr unangenehm. Es ist gerade Brutzeit und die magpies (Elstern) sind hier dafür bekannt, Radfahrer oder Fußgänger anzugreifen, wie wir erfahren. In den folgenden Wochen werden wir noch öfter unangenehm aus der Luft angegriffen. Was hilft ist, wenn wir einen Vogelangriff bemerken, einen Arm über dem Kopf so zu schwingen, als hätte man ein Lasso in der Hand.

Simon und Heather sind sehr nette und interessierte Gastgeber die uns wundervoll bekochen. Zur großen Überraschung ruft ein Freund der beiden an, er wird heute noch ankommen. Das faszinierende an diesem Umstand ist, dass Wilko 96 Jahre alt ist und an einem Tag mit dem Auto von Marla (800 km) hierher fuhr!! Er ist noch absolut fit, schläft in seinem Camper Auto und berichtet stolz, dass er zur 4. Generation der australischen Einwanderer gehört. Wilko hat sogar eine Digitalkamera und schießt beim Verabschieden ein Foto von uns.

Bei kühlen Temperaturen und etwas Regen fahren wir weiter. Überall blüht der Raps und wir bekommen starke Assoziationen mit Tschechien, wo wir beide, meist auch im Frühjahr, schon oft waren. Es ist zwar September hier, aber das bedeutet ja genau Frühling auf der Südhalbkugel.

Am Vormittag treffen wir andere Radfahrer, ein Rentnerehepaar aus Perth, sie radeln von Adelaide rauf in die Flinders Ranges. Das lustige dabei ist die Parallele zu Eberhard, denn der gerade pensionierte Lehrer hat sich auch ein neues, sehr gutes Tourenrad zugelegt, alles vom Feinsten: Rohloff, SON, usw.  (leider kein Foto)

Bei einer Bäckerei lassen wir es uns zur Mittagspause richtig gut gehen. 🙂

Jedoch fängt es danach leider an zu regnen und wir werden ordentlich nass, zudem ist es kalt. In Laura wärmen wir uns in einem Café auf und ziehen uns warm an. Wir fahren bis in die Dunkelheit und zelten bei Yacka. Die Temperatur geht an diesem Abend auf ungemütliche 7°C runter.

Über wellige Landschaft erreichen wir den Ort Clare und speisen bei einem Inder. Zufällig sehen wir einen Zahnarzt und Eberhard bekommt erfreulicherweise zwei Stunden später einen Termin. Irgendwo in der Gegend von Uluru spaltete sich einer seiner Zähne beim Verzehre von Bananenchips, das kann nun endlich repariert werden. Die Wartezeit überbrücken wir mit einer Weinprobe in einem der vielen “Cellar Doors”. Zehn verschieden Weine können wir probieren, aber nur eine Flasche kaufen wir. So erfahren wir auch von dem Riesling Trail, ein Radweg der entlang der alten Bahnstrecke durch die Weingegend führt. Das ist praktisch, so haben wir entspannte autofrei Kilometer. Der Zahnarzt Besuch verläuft erfolgreich und ist bezahlbar. Ein Provisorium muss für den Rest der Reise ausreichen.

Wieder kommen wir in die Dunkelheit, aber schaffen es noch zu einem netten kleinen Zeltplatz in Auburn. In der warmen voll ausgestatteten Camping Küche (tatsächlich eher die private Küche des Zeltplatzwartes) treffen wir andere nette Reisende und teilen mit ihnen unseren Erwerb der Weinprobe, ein Flasche Shiraz. Shiraz ist anderenorts auch unter der Rebsorte Syrah bekannt. Mich erinnert das Wort Shiraz an die Großstadt im Süden des Iran, ich bin dort allerdings nicht gewesen.  

15 km können wir noch dem Zugradweg folgen, dann geht’s zurück auf die Straße. Mit Rückenwind kommen wir gut voran und pausieren nach 30 km bei einem Bäcker. Süßes und Salziges.

Bis nach Gawler fahren wir auf Adelaide zu, der Verkehr wird spürbar mehr. Dann biegen wir ab und es geht über einen 500m hohen Berg, vorbei an einem See und Wäldern, bis wir kurz vor Sonnenuntergang den Zeltplatz in Mount Pleasant erreichen.

Wir entscheiden uns heute für alternative Straßen, unerwartet haben wir dadurch ein langes Stück eine Schotterstraße. Sie ist zwar bergiger, aber gut geschottert und führt durch eine tolle Landschaft.

Zurück auf auf der Hauptstraße kämpfen wir uns gegen den Wind bis Murray Bridge durch. Nach dem Mittagessen, einem Einkauf und einer Bierpause müssen wir noch einmal ran an die Arbeit. In Australien gibt es Bierflaschen mit 750ml, also einem ¾ Liter Bier. Erst jetzt verstehe ich, warum eine kleine Dosen oder ein Stubby immer 375ml (und nicht wie bei uns 330ml) Inhalt hat. Das ist die Hälfte eines ¾ Liters, also ⅜ eines Liters. Es wird ganz einfach in Achteln (125ml) gerechnet.

Der Wind gewinnt, die letzten 5 km bis Wellington legen wir im Dunkeln zurück. Zum Abendessen gibt es Reis mit Bohnen.

Morgens bringt uns die kostenlose Fähre auf die andere Flussseite. Und mit einem fetzen Rückenwind rollen wir nach Süden.

Bald darauf treffen wir Tristan. Er läuft etwa 1900 km von Adelaide nach Hobart (Tasmanien) und ist erst vor ein paar Tagen gestartet. Dabei schiebt er einen vierrädrigen Wagen, ähnlich wie einen Kinderwagen. Auf Teilen seiner Route (Wanderwege) wird er diesen aber gegen einen Rucksack tauschen. Sein Projekt heißt:

www.1900footprints.com

Jeder der 1900 Fußabdrücke steht für eine vom aussterben bedrohte Tier- oder Pflanzenarten.

In Meningie treffen wir einen älteren australischen Radfahrer aus Adelaide mit selbst gebauten Anhänger (leider kein Bild). Er will auch nach Tasmanien. Na da scheinen wir ja auf einer gängigen Route zu sein, denn wir wollen ja auch die Fähre von Melbourne nach Tasmanien nehmen.

Besonders beeindruckend sind die wirklich sehr großen Pelikan im Lake Albert.

So langsam kommen wir zum Meer, aber noch befindet sich eine große lange Düne des Coorong Nationalparks zwischen uns und dem Meer.

Wir schaffen es einen Platz zum Wildzelten zu finden. Doch dann kommen die Moskitos. Millionen Moskitos. Alles ist unangenehm. Heute ist es zum ersten mal abends warm, aber wegen den Moskitos müssen wir uns dick anziehen, denn sie stechen durch die Kleidung. So unangenehm haben wir lange nicht gekocht und gegessen. Die heiße Suppe wärmt einen auch noch von innen. Eberhards Gesichtsausdruck zeigt die Begeisterung an diesem Abend. 😉 Gewitter mit krassen Blitzen ziehen in der Ferne umher, dicke Tropfen fallen, aber alles zieht vorbei. Erst als wir im Zelt sind, können wir durchatmen, die warmen Klamotten ausziehen und mit der dünnen Zeltwand zwischen uns und dem Surren der Moskitos beruhigt einschlafen.

Auch der morgen ist von Moskitos geprägt, aber mit dem Wind deutlich erträglicher.

Dann gelangen wir endlich zum Meer. Gemütlich ist es nicht, denn es weht ein starker auskühlender Wind.

Nur im Windschatten lässt es sich angenehm aushalten.

In Robe suchen wir einen Zeltplatz auf. Wir sind ausgekühlt und kochen uns erstmal etwas Warmes.

Morgens fahren wir ohne Gepäck entlang der Küste zum Obelisk. Wind und Brandung sind gigantisch.

Nach dem Mittagessen fahren wir weiter, der Wind ist unser Freund. Viele Regenschauer ziehen umher, aber wir haben Glück und bleiben weitestgehend trocken. In Millicent gibt es einen der üblichen “Drive through” Alkoholläden. Wiedermal kommen wir im Dunkeln am Zeltplatz an.

Frühstücken können wir außen vorm Kaminfeuer. 🙂

Durch riesige Nutzholz Wälder radeln wir nach Mount Gambier. Später auf der Hauptstraße sind leider viele große Lkw und Holzlaster unterwegs, das ist nicht schön und gefährlich. Zum Mittagessen finden wir ein Mensa-artiges Restaurant. Es gibt “Roast of the day”, ein sehr typisches Gericht in Australien, ein Stück Bratenfleisch und verschiedenes gegartes Gemüse in großen Stücken. “Tap water” (Leitungswasser) bekommt man übrigens überall in Australien umsonst dazu! Das ist klasse, da könnten sich manche europäische Länder (unter anderem Deutschland) mal was abschauen. 😉

Anschließend mühen wir uns steil bergauf um die vulkanischen Maarseen zu besichtigen.

Obwohl wir nun auf einer kleinen Straße nach Nelson zum Meer unterwegs sind bleiben die schnellen gefährlichen Lkw und Holzlaster. Kurz vor Nelson überqueren wir eine weitere Grenze, wir befinden uns nun in Victoria!

Abends stellen wir unser Zelt mitten im Kiefernwald auf, uns sieht keiner, das stört keinen, perfekt.

Morgens 7°C, kühles Frühstück im schattigen Wald. Auf der kleinen Straße sind immer noch zu viele Holz Trucks, sie rasen und bremsen nicht. Das ist nervig und gefährlich. Ich hänge die Frankenfahne seitlich nach außen, für mehr Abstand. Nach 40 km können wir endlich weg von der Straße. Schöne kleine Sträßchen ohne Verkehr führen uns gemütlich nach Portland. In Portland gibt es einen Aldi Supermarkt, die Öffnungszeiten passen jedoch nicht für unseren Einkauf. Und wir erblicken den Zielort der unzähligen Holzlaster, riesige Berge von klein gehacktem Holz oder Sägespänen.

Nach an einem späten Start an diesem Tag testen wir die kalte Wassertemperatur des Meeres. Die Sonne hat Kraft und im Windschatten der Steindüne kann man nach dem Sekundenbad gut trocknen und sich aufwärmen.

Entlang der Küste sind viele Windräder zu sehen. Mein Rad steht gerade verkehrt herum, denn wir haben günstigen Rückenwind. Wann immer Möglich fahren wir Alternativen zur Hauptstraße und kommen so in den Genuss der Fingerboard Road, ein wunderschönes kleines Sträßchen, das sich nur wenige Kilometer durch die Landschaft schlängelt.

Etwas außerhalb von Port Fairy übernachten wir bei Cynthia von warmshowers. Alle in der Familie sind Rennradfahrer, aber an diesem Abend ist nur Cynthia daheim. Freudig werden wir von dem jungen Hund Dexter begrüßt und angesprungen.

Cynthia begleitet bzw. führt uns am nächsten Tag entlang des Rail Trails bis Koroit und zeigt uns den Kratersee.

Heute morgen ist Eberhard leider ein schweres Glas aus etwa 30 cm Höhe auf sein Handy gefallen. Das Display hat ganz oben im Eck einen unscheinbaren Sprung und nichts geht mehr, sehr ärgerlich. Das Display ist kaputt. In Warrnambool, der letzten großen Stadt vor der Great Ocean Road bemühen wir uns nach einem Reperaturladen und werden tatsächlich fündig. Für stolze 155 AU$ (100 €) baut uns der junge Mann ein neues Display ein. Leider stellt sich bald heraus, dass es miserabel ist. Die Helligkeit lässt sich nicht mehr einstellen und ist immer auf mittlerer Helligkeit, die unteren drei Basis Tasten funktionieren kaum und beim Tippen erwischt man immer die falschen Buchstaben.

Auf einem szenischen Radweg durch die Dünen von Warrnambool werden wir nach einer steilen Rampe von einer jungen Frau mit E-bike eingeholt. Wir kommen ins Gespräch und Robin erzählt, dass kürzlich ein Radfahrer bei ihr im Garten übernachtet hat. Spontan bietet sie uns Selbiges an. Wir folgen ihr und sind sogleich bei ihrem Haus. Viel Platz ist nicht, aber für unser kleines Zelt reicht es. Sie lädt uns zu einer Tasse Tee ins Haus ein, kochen können wir im offenen Fahrradschuppen. Wir zelten quasi genau neben dem Gehsteig. Das ist schon ein komisches Gefühl so im Vorgarten rum zu lungern.

Los geht’s zur berühmten Great Ocean Road. Der Wind ist gut. Über schöne Schotterweg Abkürzungen, vorbei an Kuhweiden, queren wir zur Hauptstraße. Jedoch ziehen dunkle Wolken auf, doch zu unserem Glück kommt genau im rechten Moment eine kleine Bushaltestelle, die uns besten Schutz vor dem nieder prasselnden Regen bietet.

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