Posted by on 23. September 2018

Kurz nach der Grenze überwinden wir einen kleinen Bergrücken und blicken in eine große Ebene mit unzähligen Weingärten. Da sollte sich doch ein Platz zum Schlafen finden. Steile Serpentinen führen hinunter durch den Ort Veliki Prolog, dem eine Autobahn direkt vor die Nase gebaut wurde.

Heute fahren wir gleich zweimal mit einer Fähre, die Erste bringt uns von Ploce auf die Halbinsel Peljesac. Danach geht es zur anderen Seite der Halbinsel, nur 400 hm, doch obwohl wir bis 15 Uhr warten, ist der Anstieg wegen der brühtenten Hitze sehr hart. Nach einer tollen Abfahrt befinden wir uns auf der Fähre nach Orebic. Nun sind wir am östlichen Ende der Insel Korcula mit dem gleichnamigen Ort Korcula. Die Altstadt wirkt wunderschön und verlockend, dennoch radeln wir lieber an der Küste entlang um eine Traumbucht vor einbruch der Dunkelheit zu erreichen.

Es hat sich absolut gelohnt. Wir haben die Bucht für uns und schlafen direkt am Meer, ein Traum. Es ist wunderschön. Morgens geht die Sonne über dem Bergrücken auf. Zum Aufwachen lädt uns das ruhige Meer ein, wir schwimmen in den sonnigen Teil der Bucht, blinzeln und grinsen in die Sonne und schwimmen wieder zurück.

Etwa zehn Kilometer folgen wir dem wilden welligen “Makadam”-Weg, oft in sehr schlechtem Zustand und teils etwas zugewachsen, danach ist die Straße wieder geteert.

An diesem Tag zelten wir abends in der Nähe von Vela Luka bei einem alten Steinhaus aus dem Jahr 1905, es ist sehr schön. Nur, als wir morgens aufbrechen, stellen wir fest, dass Karins Vorderrad platt ist. Der Platten, verursacht von einer Dorne, ist schnell geflickt. Beim Aufpumpen ist es jedoch merkwürdig, es will keine Luft im Reifen bleiben. Mist. Also nochmal nachschauen. Im gleichen Moment ist mir klar, was ich falsch gemacht habe. Der Klassiker, der Mantel ging sehr schwer auf die Felge zurück, also habe ich die Reifenheber verwendet, dabei habe ich den Schlauch gequetscht und ein Loch verursacht. Ich bin aus der Übung, schließlich war der letzte Platten vor etwa einem Jahr.

Von Vela Luka wollen wir auf die benachbarte Insel Hvar. Es gibt eine direkte Fähre (Katamaran) für Fußgänger, die leider keine Fahrräder mitnimmt. Für uns bedeutet das, wir müssen mit der Autofähre nach Split und von Split mit einer weiteren Autofähre nach Stari Grad auf Hvar. Es dauert somit wesentlich länger, kostet mehr Geld, und wirkt etwas unlogisch, aber letztendlich finden wir uns damit ab.

Nach einem kurzen Besuch in Split, rollen wir auf die zweite Fähre. In vier Tagen werden wir erneut nach Split kommen.

Auf einer reizvollen Passstraße gelangt man ohne Verkehr über den 400 Meter hohen Inselrücken nach Hvar, der Hauptverkehr wird durchs Tunnel geleitet. Beeindruckende, über hundert Jahre alte, Steinmauern strukturieren die Berghänge.

Zum Wildzelten eignet sich die Gegend hier gar nicht, der Platz den wir letztendlich finden überzeugt uns aber durch einen majestätischen Sonnenuntergang. 😉

Eine Mülldeponie kurz vor der Stadt Hvar. Warum darf ich hier nicht fotografieren?

Kurz vor dem Tunnel, gibt es eine reizvolle Schotterstraße, die für den Verkehr gesperrt ist. Sie führt 7 km entlang der Südküste nach Sveta Nedjelja.

Unterbrochen von Mittags-, Bade-, und Kaffeepause gelangen wir über die Teerstraße nach Zavala, wo etwas oberhalb der zweite Tunnel der Insel zurück zur anderen Seite führt. Wir wollen aber nicht hindurch, sondern nach oben auf den Inselrücken, dafür müssen wir uns 200 Höhenmeter eine sehr steile Schotterstraße hinauf mühen. Während wir schwitzen, verspeisen die Wespen ihren Leichenschmaus.

Oben angekommen folgen wir dem Rücken der Insel gen Osten und schlagen bald unser Nachtlager auf. Die abendliche “Fahrradflaschendusche” mit etwa einem halben Liter Wasser ist ein purer Genuss. Dabei tröpfelt man das Wasser aus einer Radflasche über seinen Körper, von oben angefangen. Damit kann man Schweiß, Sonnencreme und Staub ausreichend abwaschen und fühlt sich frisch und sauber für den Schlafsack. Faszinierend wie wenig Wasser man zum Duschen braucht.

Unser Abendessen sind heute frische Kartoffeln mit Paprikagemüse aus der Dose.

Ein Stück fahren wir noch nach Osten, bis wir schließlich auf der Teerstraße den Rückweg antreten. Etwa 30 km wären es von unserem Umkehrpunkt zum Ende der Insel.

Im kleinen Ort Jelsa überstehen wir ein heftiges Gewitter mit starkem Regen unbeschwert, denn wir trinken gemütlich Cappuccino unter dem Vordach eines Cafes in der Altstadt am Hafen und beobachten dabei die Blitze und Wassermassen.

Ein letztes mal übernachten wir in der Wildnis. Zum Frühstück gibt es Müslibrei.

In den kleinen Gassen der Altstadt von Stari Grad speisen wir in einem gediegenen Restaurant. Es ist unser letzter Abend. Morgen früh nehmen nehmen wir die Fähre zurück nach Split und Karin wird vom Flughafen nach Sevilla fliegen.

Alles hat geklappt, wir sind rechtzeitig am Flughafen. Wir haben uns aus organisatorischen Gründen gegen einen Fahrradkarton entschieden, denn so können wir mit den Rädern bis zum Flughafen radeln. Dort packen wir Karins Rad etwas mit Karton ein.

Drei Wochen mit meiner Schwester sind unglaublich schnell vergangen, es war eine schöne Zeit und wir haben viel erlebt. Für mich beginnt der allerletzte Abschnitt meiner Reise, denn in zweieinhalb Wochen, Anfang September, will ich zurück in Nürnberg sein.

 

Ich fahre 4 km zurück und anschließend 500 Höhenmeter bergauf, als es schon dunkel ist komme ich oben am Pass an und biwakiere auf der Terrasse einer großen geschlossenen Hütte. Ich sehe Karins Flugzeug um 20:30 Uhr starten und blicke auf das Lichtermeer von Split und Umgebung.

Bei meiner Mittagspause in Obrovac Sinjski am Fluss, das Wasser ist eisig kalt, ziehen mächtige Gewitterwolken auf. Von diesem Ort auf 300 m geht es zur Passhöhe auf fast 1200 m nur noch bergauf. Die Grenze nach Bosnien und Herzegowina befindet sich bereits ein paar Kilometer vor dem Pass. Unten im Tal ziehen die Schauer durch, ich bin froh nicht dort zu sein, es sieht atemberaubend aus wie sich die Wolken schlagartig entleeren. Ich bleibe weitestgehend verschont, erst nach dem zweiten Kontrollposten beginnt es langsam zu tröpfeln. Aber dabei bleibt es zum Glück auch.

 

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