Posted by on 27. September 2018

Nach dem Grenzpass mit den Wolkenbrüchen im Tal, fahre ich bergab nach Livno, auf die bessere Wetterseite. Am letzten Anstieg des Tages fühle ich mich platt und fertig. Heute waren 106 km und 1700 hm. Ich zelte in 1000 m Höhe und abends wird es erstaunlich kühl.

Überreste eines alten Friedhofs bringen mich zum Stopp, einige Grabsteine sind kugelförmig.

Nachdem Mittagessen in Glamoc stelle ich fest, dass mir nur noch wenig Kilometer bis zur theoretische Erdumrundung fehlen. Für mich ist das eine wichtige Zahl und ein bedeutender Moment. Also fahre ich nochmal zurück zum kleinen Laden und suche nach Feierutensilien. Als einsamer Radfahrer kommt da eigentlich nur Energie in Frage, also Süßigkeiten. Zum Anstoßen gehört natürlich auch eine Flasche Sekt, die teuerste des Ladens, für 8 Mark (4 €). So das wäre geschafft, Vorbereitungen abgeschlossen. Jetzt nur noch 26 Kilometer strampeln, die letzten zehn bergauf, bis zur spannenden Zahl.

Auch heute bilden sich dunkle Wolken. Leider beginnt es zu tröpfeln, keine guten Voraussetzungen für meine kleine Feierpause.

Ein Hundertwasser Haus? Oder, wenn der Baum größer ist als das Haus, gilt die Baustelle endgültig als Bauruine?

Aber zurück zum Regen. Die Wolken sind mal wieder furchteinflößender als der Niederschlag letztendlich schlimm ist.

Der Kilometerzähler zeigt 39.999, jeden Moment wird die Zahl umspringen. Jeden Moment… Dann ist es so weit: 40.000 km. Wow, ich bin überglücklich. Auf den letzten Kilometern habe ich mich zurück erinnert an die vergangen großen Kilometermarken. 10.000 km mit Johanna in Kasachstan, 20.000 km in Indonesien auf der Insel Borneo, 30.000 km im Norden der Nordinsel von Neuseeland. Und heute am 18.08.2018, nach 2 Jahren und 4 ½ Monaten, die 40.000 km (Erdumfang) in Bosnien und Herzegowina an der Grenze zur Republika Srpska. Trotz Regen mache ich ein paar Bilder.

Endlich kommt auch die Überraschung von meiner Freundin Eri zum Einsatz. Sie hat mir zu beginn meiner Reise ein kleines, gelbes, selbst gefülltes Überraschungsei mitgegeben, mit der Auflage, ich darf es erst am Ziel öffnen. Irgendwann in Neuseeland tat ich dies schließlich auch. Den Inhalt könnt ihr auf dem nächsten Bild erkennen bzw. erahnen. Aufgrund des Regens und des Selbstauslösertimings ist das bild leider nicht optimal.

Den Sekt öffne ich abends beim Wildzelten und stoße mit meinem Fahrrad (sonst war niemand da) an, es hat ja die gleichen 40.000 km gesehen wie ich und war stets ein treuer Gefährte.

Einen weiteren Tag radel ich, bis ich bei meinem Freund Dario in Nisevici ankomme.

Nisevici ist ein kleines Dorf in der Nähe von Omarska. Hier verbringe ich ein paar schöne, erholsame Ruhetage. Wiedermal gibt es sehr viel zu essen. Verrückt wie die Zeit vergeht, das erste Mal habe ich hier vor 10 Jahren auf meiner Südosteuropa Tour vorbeigeschaut.

Weil es so schön ist, bleibe ich sogar noch einen Tag länger und fahre dafür die letzten 50 Kilometer in Bosnien mit dem Zug, zur Grenzstadt Novi Grad.

 

Croatia (3rd time) Da ich nur kurz durch Kroatien (1 ½ Tage und etwa 150 km) muss, lohnt sich kein eigener Beitrag.

Die Grenze ist sehr übersichtlich, viele Fußgänger überqueren die Brücke, für Autos wirkt sie gesperrt. In Kroatien fahre ich auf einer schönen Straße in Richtung Glina. Viele Leute grüßen, es herrscht so gut wie kein Verkehr. Sogar ein Radweg mit meinen Initialien ausgeschildert ist ausgeschildert. 😉

Einen kleinen Pass überwinde ich und dann wird es schon Zeit einen Schlafplatz zu suchen, immerhin 40 km weit bin ich an diesem Abend noch gekommen.

Nachts um 2 Uhr wache ich durch Regentropfen auf mein Innenzelt auf und muss schnell das Überzelt über mein Zelt werfen. Ab diesem Zeitpunkt regnet es quasi fast ununterbrochen bis zum nächsten Abend. Dementsprechend umständlich und zäh ist es morgens zusammen zu packen und los zu kommen.

So fahre ich bei 12°C und Regen los. Bald bin ich sehr nass und die einzig sinnvolle Methode um warm zu bleiben, ist weiter fahren und in Bewegung bleiben. Irgendetwas ist komisch heute, keines der wenigen Restaurants sagt mir zu oder ich fühle mich zu nass, um Gast zu sein. Außerdem müsste ich mich komplett umziehen, um dann danach erneut nass zu werden. Meine Regenjacke ist schon lange nicht mehr dicht. So fahre ich weiter und weiter. Um auf die digitale Landkarte zu schauen, damit ich den Weg finde, muss ich überdachte Orte aufsuchen, sodass das Tablet trocken bleibt. Letztendlich fahre ich 90 km in 5 Stunden durch den Regen, bis ich sehr ausgekühlt endlich anhalte, Nudeln koche und mir trockene warme Kleidung anziehe.

Ich habe gewonnen, denn als ich weiter fahre hört der Regen endlich auf und ich komme warm und trocken die letzten Kilometer zur Grenze nach Slowenien. Dort übernachte ich beim ersten Zeltplatz. Ich bin der einzige Gast, der Campingplatzwart erzählt mir, alle seine aufgrund der schlechten Wetterprognose früher heimgefahren.

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