Posted by on 5. Juli 2018

Am Morgen des 6. Juni 2018 bringt mich Daniel dankbarerweise zum Flughafen. Mit einem Zwischenstopp in Singapur fliege ich nach Athen. Im Flugzeug schaue ich den Film “77 Days”, eine spielfilmische Darstellung eines Radabenteuers, ein Film über Freiheit, ein Film für Abenteurer. Kann ich sehr empfehlen.

Ich habe bewusst einen Flug mit nur einem Zwischenstopp gewählt, denn bei jedem Umsteigen besteht eine erhöhte Gefahr, dass beim Umladen das Gepäck (also hauptsächlich mein Rad) Schaden nimmt.

So lande ich am morgen des 7. Juni in der Hauptstadt Griechenlands, in Athen. Es gibt keinen Stempel in meinen Reisepass, kein Fingerabdruck wird genommen, der Beamte schaut den Pass nur kurz an, fertig. Ich bin zurück in Europa. 🙂

 

Welcome to Greece!

Welcome back in Europe!

Außen vor dem Flughafen baue ich mein Rad wieder zusammen. Es scheint alles zu passen. Ach ja, in Neuseeland habe ich mir noch eine neue Kassette und Kette gekauft. Mit der Alten bin ich seit Singapur gefahren, das waren 17.946 km. Ich hoffe, dass das kleine und mittlere Kettenblatt mit der neuen Kette harmonieren, und ich habe Glück, es geht. Bei 36.664 km beginne ich also die dritte Kette der Reise zu verwenden. Shimano XT oder SLX Qualität zählt sich aus.

  1. Kette, Kassette, kleines + mittleres Kettenblatt: 18.718 km
  2. Kette, Kassette, kleines + mittleres Kettenblatt: 17.946 km  
  3. Kette, Kassette: wird sich zeigen, aber sollte bis Nürnberg locker reichen. 😉

Ich hebe Geld ab und bin verwundert, wie ungewohnt die Euro Scheine aussehen. Dann kann es losgehen, es ist mittlerweile Mittag und sehr heiß, 32°C. Im ersten Ort finde ich schnell eine Bäckerei und esse mich satt. Bäckereien habe ich wirklich vermisst und in Griechenland gibt es sie fast überall.

32 km sind es in die Innenstadt zu Alexandros und Pana Iota, bei denen ich wohnen kann. Griechenland gefällt mir auf Anhieb und für eine 4-5 Millionen Einwohner Stadt ist der Verkehr echt ok.

Am nächsten Tag besichtige ich Athen ein wenig. Natürlich schaue ich zur Akropolis, aber die Masse an Touristen, eine lange Schlange, und die 20 Euro Eintritt halten mich letztendlich davon ab hinein bzw. hinauf zu gehen. Stattdessen habe ich vom benachbarten Hügel eine wunderbare Sicht auf die Akropolis.

Abends gehen wir zu einem Jazz Festival, es sind viele Leute da, die Nächte sind warm, alle sitzen auf dem warmen Steinboden, eine tolle Stimmung.

 

Am Montag abend fahre ich zusammen mit Alex zur Bafi, einer Hütte in den nördlich gelegene Bergen von Athen, im Parnitha Nationalpark. Bis dorthin geht es nur bergauf, es sind 32 km und 1100 Hm. Von der sich hinauf windenden Straße hat man einen guten Blick über Athen. Als wir oben bei der Hütte ankommen, ist es bereits dunkel. Die Bafi (1161 m) ist eine große Hütte mitten im nichts.

Pana Iota organisiert hier oben ein Treffen des EVS (European Volunteer Service) und hat mir angeboten dort auch ein paar Tage zu übernachten. Diese Einladung habe ich dankend angenommen. Ich erkunden die Gegend und finde endlich die Zeit und Motivation wieder für den Blog zu schreiben, wo ich ja mittlerweile mehrere Monate hinterher bin.

Alex muss am nächsten Morgen zurück nach Athen, er schreibt gerade seine Doktorarbeit in Physik.

Per Rad fahre ich zum fast höchsten Punkt, der Gipfel ist jedoch alles andere als schön. Das ist wohl der Preis der modernen Kommunikation.

Eine gesperrte Teerstraße führt einmal um den Berg herum. Die Rehe im Nationalpark sind kein bisschen scheu, solche Rehe kenne ich gar nicht. Außerdem werde ich durch ein Rascheln auf meine erste Schildkröte aufmerksam. Sie verspeist gerade eine Beere.

Das ist die Hütte. Da Pana Iota das Seminar organisiert, kann ich zum Abendessen und Frühstück mitessen und lerne ein paar der Teilnehmern kennen.

Eine Wanderungen führt mich zu einer kleinen Höhle. Wasser kann man von Quellen finden.

Zurück in der Hitze der Stadt nutzte ich weitere Tage um den Blog über Neuseeland fertig zu verfassen. Als ich fertig bin fahre ich los, erstmal will ich entlang der Küste des Peloponnes folgen.

Zwei Wochen in Athen vergehen sehr schnell, den Großteil der Zeit habe ich dazu genutzt meinen Blog aufzuarbeiten und über die letzten Monate in Neuseeland zu berichten.

 

Unerwartet schnell habe ich mich zurück an den Rechtsverkehr gewöhnt. Das hätte ich nicht erwartet, denn schließlich bin seit etwa einem Jahr nur noch in Ländern mit Linksverkehr unterwegs gewesen.

Heute ist Sommersonnenwende, es ist also der längste Tag im Jahr.

Quer durch Athen mit einem Bogen um den großen Hafen Piräus steuere ich auf die Insel Salamina (nicht Salami) zu. Von Perama gibt es eine kurze Fähre auf die Insel. Der Preis ist für mich 1 €.

Kein schöner Anblick!

Nach ein paar Minuten kommt man in Paloukia an, an Fährschiffen scheint es hier nicht zu mangeln.

Quer über die Insel und mit einer zweiten kurzen Fähre (70 Cent) wieder runter. So bin ich schnell in Megara und konnte eine verkehrsreiches Stück umgehen (guter Tipp von Alex).

 

 

Die Mittagshitze ist da und mir knurrt der Magen. In Megara finde ich ein kleines Café/Restaurant. Es gibt Gyros Pita. Das ist eines meiner liebsten Essen in Griechenland. Es ist lecker, viel und günstig. Je nach dem 2-3 €. Mit der jungen Inderin, die hier arbeitet, komme ich etwas ins Gespräch. Sie spricht gut englisch und versteht, dass ich kein Fleisch will. In Athen gab es fast immer eine vegetarische Alternative, ein Art Gemüsebratling anstatt dem Gyrosfleisch. Doch außerhalb von Athen finde ich das kaum mehr. Vegetarisch heißt also, Gyros Pita ohne Fleisch. Zaziki, Tomate, Zwiebel, Salat und Pommes in ein Fladenbrot eingerollt. Wirklich lecker.

Chetan ist 25 Jahre alt und hat vor kurzem geheiratet. Sie arbeitet in diesem Imbiss 12 Stunden pro Tag von 11 Uhr morgens bis 11 Uhr abends! An einem Tag verdient sie nur 25 €, also nur etwas mehr als 2 € pro Stunde.  Ich bin schockiert, wie wenig das ist. Ich vergleiche es natürlich mit meinem Gehalt aus Neuseeland. Aber ich muss zugeben ich habe auf meiner Reise eigentlich niemals die Leute gefragt, wieviel sie verdienen. Ich denke da wäre ich über ganz andere Stundenlöhne noch mehr erstaunt gewesen. :/

 

Das Rad ist kompakt bepackt. Nachdem ich von Athen knappe zwei unnötige Kilo nach Hause geschickt habe, bin ich nun bei etwa 23 kg Gepäck ohne Wasser und Essen.

Ein gewisses Müllproblem ist leider fast überall sichtbar.

Irgendwann an diesem Nachmittag des ersten Radeltages lassen meine Kräfte deutlich nach, ich bin platt. Meine Rettung ist eine 1,5 Liter Flasche Pepsi vom nächsten Laden. Danach sieht die Welt wieder viel besser aus. Ich habe mich für einen Umweg entlang des Korinth Meeres nach Korinth entschieden. Die Straße ist genial und führt traumhaft am Meer entlang. Ich bin begeistert. Ein kurzes (6 km) Stück geht es auf einer guten Schotterstraße nach Strava.

Genau zum richtigen Zeitpunkt kommt abends eine Quelle. Ich Fülle meine Wasserflaschen auf und suche danach einen Platz zum Zelten. Bei einem kleinen Schotterweg bleibe ich in einem Spinnennetz hängen. Schön sieht der Achtbeiner nicht aus.

Der Weg endet bei einer kleinen Kirche. Am Wegende stelle ich mein Zelt auf.

Auch am morgen werde ich von einem Spinnenfreund unter dem Zelt begrüßt.

Ich überquere den Kanal von Korinth bei der nördlichen Brücke. Nachdem ich diese überquert habe, versinkt sie einfach im Meer. Sachen gibt’s.

Der Peloponnes beginnt. Und eines kann ich schon mal sagen, es wird bergig. Es ist irre heiß, die Straße führt hinauf bis auf 500 m zur Mittagspause in Sofiko. Danach Folge ich einem schönen Schotterweg bis auf 700 m. Außer einer Ziegenherde mit ihrem netten Schäfer ist kein Verkehr.

Nanu, was ist denn das? Es richtig intensiv nach Orangen, jedoch sind weit und breit keine Orangenbäume zu sehen. Komisch. Hier hat sich wohl jemand ein bisschen Saft gepresst.

Einen wilden steilen Weg (auf dem Foto ist er noch gut) mit großen Steinen geht es bergab. In die andere Richtung könnte man diesen nur schieben. Ich bin froh die 150 Hm vorsichtig bergab rollen zu können, ohne Sturz. Denn so wie diese Ziege, möchte man nicht enden. Aasgeruch ist einer der schlimmsten den ich kenne.

Vor der Halbinsel Methana gehe ich nochmal schwimmen, danach will ich einen Übernachtungsplatz finden.

Überraschung sind gut, besonders wenn sie so positiv sind, denn nur zwei Kilometer weiter, bei Metamorfosi Beach, stehen mehrere Wohnmobile am Strand. Das sieht mir sehr nach einem inoffiziellen Zeltplatz aus. Ich frage die Leute bei einem Schweizer VW-Bus,  kein Problem, ich kann hier zelten, sie sind bereits seit 4 Nächten hier. Toilette und Dusche könne man bei der bar nebenan benutzen. Perfekt, hier bleibe ich.

Als ich mein Zelt aufbaue, bekomme ich vom benachbarten Wohnmobile aus Münster, mit einer jungen Familie, ein eisgekühltes Bier geschenkt. Das ist aber eine tolle Begrüßung. 🙂

 

 

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