Posted by on 20. Dezember 2017

Heute erreichen wir Hobart, die Hauptstadt Tasmaniens, fast die Hälfte aller Inselbewohner leben hier. Auf Hobart zu wird der Verkehr unangenehm. 10 km vor dem Zentrum beginnt dann zum Glück ein Radweg. Es geht vorbei an der Tasman Bridge, die den Derwent River in Hobart überbrückt. In ein paar Tagen werden wir über diese Brücke auf einem sehr engen Fuß-/Radweg, mit Geländer links und rechts, fahren. Aber vorerst wollen wir die Stadt anschauen.

Südlich von Hobart fahren wir eine Schleife, die sich aber wegen zu viel Verkehr nicht wirklich bewährt. Erst 40 km außerhalb der Stadt wird es besser. In der Nähe der Bucht mit dem Namen Eggs and Bacon Bay zelten wir im Eukalyptuswald.

Am nächsten Tag erreichen wir schon wieder Hobart. Die beste Möglichkeit, die wir an diesem Abend zum Übernachten finden können, ist an einem Jogger Pfad. Nicht optimal, aber die wenigen Läufer die vorbeikommen grüßen uns äußerst freundlich.

Hinter Sorell haben wir es geschafft. Es gibt wieder kleine ruhige Sträßchen. Eine teils geteerte, teils geschotterte bergige Straße bringt uns nach Nugent. Dann kommt jedoch ein boom gate, eine Schranke. Offensichtlich soll hier kein größeres Fahrzeug durch. Es gibt keine Verbotsschilder, wir heben unsere Räder über die Schranke und haben den Wald für uns. Einziger Nachteil, der Weg ist mal wieder irre steil. Wir haben genug und errichten unser Nachtlager.

Am anderen Ende des Weges kommt die zweite Schranke, sie ist kaputt und daher offen. So gelangen wir auf die größerer Schotterstraße, welche uns nach Orford führt.

Bei einem Rastplatz treffen wir eine Mann, der sich seinen Bart nur auf einer Seite rasiert hat. Ich spreche ihn daraufhin an. Es ist eine Aktion, die darauf hinweisen soll, dass wir bereits fast die Hälfte der Wälder unserer Erde zerstört haben! Geniale Idee. 🙂 www.beardson.org

In Triabunna beginnt es zu regnen. Vor dem Supermarkt spricht mich eine Frau an. Sie ist die Besitzerin des Gumleaves Holiday Parks 20 Minuten nördlich von hier. Sie lädt uns ein dort um sonst zu zelten. Cool, aber erstmal müssen wir auf eine Regenpause warten. Leider hört es nicht auf zu regnen und wir fahren die 20 km im Regen. Am Ende geht es noch 2 km einen Schotterweg bergauf. Wir sind zum zweiten Mal in Tasmanien absolut nass. Die Frau ist sehr nett und verbietet uns zu zelten. Das wäre bei dem Wetter auch wirklich keine Freude. Stattdessen können wir, ebenso umsonst, in der Backpacker Unterkunft übernachten. Toll! Das Areal ist riesig, eher für Gruppen oder Schulklasse, unter anderem mit einem Abenteuerspielplatz. Wir sind die einzigen Camper bzw. Backpacker an diesem verregneten Tag.

Es folgt eine weitere regenreiche Nacht, die wir wild zeltend zwischen Swansea und Bicheno verbringen.

Unser Ziel ist heute der Freycinet Nationalpark, dort wollen wir nochmal einen Tag wandern gehen. Dazu müssen wir 28 km in die Sackgasse nach Coles Bay fahren, aber es lohnt sich. Auf dem zum Nationalpark gehörenden Campground können wir direkt am Meer zelten. Die Nationalparks kosten übrigens Eintritt, aber für faire 30 AU$ (für Fußgänger und Radfahrer) bekommt man ein Ticket, welches 60? Tage für alle Nationalparks gilt.

Gleich zu Beginn begegnen wir zwei (vermutlich den Menschen gewohnte) Mustertieren des Nationalparks, denn sie lassen sich ausgezeichnet fotografieren. Eine Eidechse und ein Wallaby.

Hauptattraktion ist definitiv die Wineglass Bay. Bis zum Aussichtspunkt sind viele Touristen unterwegs, danach dünnt es sich schnell aus.

Die Weinglass Bucht ist ein wundervoller 2 km langer gekrümmter Sandstrand. Am anderen Ende entdecken wir ein großes weißes Ding. Verrückt, es muss eine Rippe eines Wales sein, irre schwer und beeindruckend.

Danach queren wir auf die andere Seite der Halbinsel und laufen entlang der Küste zurück.

Zurück geht es die 28 km gegen den Wind und weiter nach Bicheno. Bicheno ist der kleine Ort in dem Ted und Eileen wohnen. Wir haben die beiden vor vielen Wochen bei einem Roadhouses Zeltplatz auf dem Stuart Highway getroffen. Wir haben eine Beschreibung wie wir ihr Haus finden, jedoch wissen wir nicht, ob sie zu Hause sind und sie haben keine Ahnung, dass wir kommen, denn wir haben keine Telefonnummer.

Als wir es fast schon aufgeben, finden wir das Haus schließlich. Ted und Eileen sind zu Hause und heißen uns herzlich willkommen. Die beiden sind interessante Leute und erzählen viel. Ted war in seinen jungen Jahren in Deutschland stationiert und erinnert sich zwischendurch an deutsche Wörter. Zwei Jahre lebten sie auf einem Segelboot. Am eindrucksvollsten schien die Zeit auf einer kleinen Insel, Maatsuyker Island, südlich von Tasmanien gewesen zu sein, dort waren sie 7 Monate die Leuchtturmwärter des südlichsten Leuchtturms von Australien.

Wir spazieren zum Meer und sehen die kleinen Pinguine in ihren Höhlen. (Wie ich erfahre war kürzlich ein Artikel darüber in der Zeit.) 

Oh nein!!! Nicht schon wieder. Heute ist nach nur 6 km die dritte Speiche gerissen. Naja immerhin ist das Rad seit meinem letzten Speichenaustausch auf Sulawesi über 8000 km gerollt.

Wir fahren nach Norden und haben mit starkem Gegenwind zu kämpfen. Als wir bergauffahren kommen uns zwei junge Tourenradfahrer entgegen, da es für sie bergab geht sind sie recht schnell und halten nicht an. Einer der beiden ruft: “You are cycling the wrong way!” 😉 Stimmt, wir hätten den Wind auch lieber hinter unserem Rücken statt vor uns.

Nach einer Nacht an einem unscheinbaren kostenlosen Campground erreichen wir St Helens. Weiterhin geht es an Traumstränden vorbei. Die Gegend heißt Bay of Fires.

Danach führt uns ein kleiner Querweg durch den Wald Richtung Pioneer, komplett Autofrei. 17 km vor Pioneer zelten wir im Wald.

Von Pioneer geht es dann wieder auf geteerter Straße nach Gladstone. Ein Schild mit der Aufschrift “Little Blue Lake” weist auf einen kleinen See hin. Wow. 🙂

Mich erinnert der Name an den Blog (www.littlebluebike.net) der allein reisenden Tori aus England, die wir in Bishkek getroffen haben.

Die jungen Kühe sind unsere treuesten Fans, neugierig und fasziniert schauen sie uns an.

All die Tage sind von Gegenwind geprägt, da hatte der junge Radfahrer mit seinem Spruch recht. Wir fahren in die falsche Richtung, nach Westen und meist kommt der Wind aus genau dieser Richtung. Eine Nacht zelten wir beim 9 km abseits unserer Route liegenden Zeltplatz in Tomahawk. Am Ortseingang steht: “Tasmanias best kept secret”

Morgens schauen wir zum Strand, der Wind ist eisig, aber im Windschatten der sonnigen Düne geht es.

Über langweilig geradeaus führende Straßen kommen wir nach Bridport. Etwa 15 km nach dem Ort zelten wir im Wald in einer Art Kiesgrube.

Weiter geht es nach George Town, genauer gesagt nach Low Head.

Ein Schild weist auf die nächste Woche anstehende Tour of Tasmania, ein kleines fünftägiges Profi Radrennen, hin. Witzigerweise wird unser Radsport begeisterte Gastgeber Ralph aus Ocean Grove auf der Tasmanien-Rundfahrten arbeiten.

In Low Head gibt es einen schönen Leuchtturm. Wir zelten auf dem Campingplatz und Eberhard zieht nachts nochmal los um die Pinguine zu beobachten. Mir ist es an diesem Abend zu viel, deswegen gibt’s auch keine Bilder von den tapsigen Pinguinen.

In George Town kehren wir bei einem Fischladen ein. Nach fish & chips probiert Eberhard das erste mal in seinem Leben Austern. Wir finden es beide nicht schlecht, zu viel Zitronensaft raubt vielleicht den Geschmack, aber unser Favorit werden Auster auch nicht.

Leider gibt es die Fähre von George Town zur anderen Seite des Meeresarmes nach Beauty Port nicht mehr. Sie hätte uns viel Lkw Verkehr erspart, denn George Town hat einen großen Industriehafen und wir müssen bis zur Batman Brücke auf der Hauptstraße Richtung Launceston (zweitgrößte Stadt der Insel) fahren.

Kurz vor der Brücke können wir die Hauptstraße verlassen und auf einer Schotterstraße etwas abkürzen. Wieder sehen wir einen exotischen Ameisenigel. Er ist neben dem Schnabeltier (Platypus) das einzige verbleibende Säugetier, welches Eier legt. Er ist nicht verwandt mit unserem Igel (lediglich eine konvergente Entwicklung).

Eine alte Kirche aus dem Jahr 1845.

Dieses Bild zeigt den Beginn einer extremen Steigung, auf einen Kilometer geht es 140 Meter bergauf. Das ist kein Spaß mehr mit unserem Gepäck.

Insgesamt geht es rauf bis auf 300m, oben finden wir einen Platz für unser Zelt.

Abends kommen plötzlich Scheinwerfer von zwei Autos auf uns zu. Und wir haben gerade mitten auf dem Weg unser Feuer entzündet. Ohoh, wer kommt da? Hoffentlich kein Ranger oder so. Mit etwas Wasser ist das Feuer gleich wieder aus. Dann kommen die zwei Geländewagen, der Weg ist schmal, aber ohne Probleme weichen sie in den Wald aus und umfahren unsere Feuerstelle. Die zwei jungen Typen sind super locker und nach einem kurzen Plausch fahren sie weiter. Es waren nur zwei Einheimische, die hier ihre 4WD Runde drehen. 4WD fahren ist hier eine beliebte Freizeitbeschäftigung.

Es ist glaube ich das erste und einzige Mal, dass wir beim Wildzelten in Australien “ertappt” werden.

Gegen den heftigen Wind schaffen wir es gerade noch rechtzeitig zum Mittagsangebot (bis 14 Uhr) im Hotel in Port Sorell.

Über Nacht bringt uns die luxuriöse Fähre von Devonport zurück aufs australische Festland. Wir frühstücken auf der Fähre und kommen mit Sonnenaufgang und gleichzeitigem Vollmonduntergang in Melbourne an.

Es ist Samstag und in Melbourne boomt der Radsport. Wahnsinn! Entlang der Küstenstraße sind so viel Radfahrer unterwegs. Von einzelnen Radfahrern bis hin zu große Gruppen von Rennradfahrer ist alles dabei. Mehrere 1000 insgesamt. Wir fühlen uns wie bei einer gut besuchten RTF (Mittelfranken Cup) in der Heimat. Es ist toll so viele Radfahrer zu sehen, einen besseren Abschied von Australien können wir uns nicht vorstellen.

Wir fahren den gleichen Weg wie vor vier Wochen. Je weiter wir uns vom Zentrum entfernen desto weniger Radfahrer sehen wir und mit dem Fortschreiten des Tages wird der Verkehr auch mehr.

Beim schönsten Haus der ganzen Bucht machen wir eine Badepause. Bye bye Australia.

Die stündlich verkehrende Fähre bringt uns von Sorrento nach Queenscliff. Eine Lautsprecherdurchsage macht auf Delphine vorne am Schiff aufmerksam, alle stürmen nach vorne.

Und dann sind wir wieder zurück bei Ralph. Ihn sehen wir nur kurz, denn er muss am nächsten Tag zur Fähre nach Tasmanien, wo er bei der Tour of Tasmania in einem Servicefahrzeug arbeitet. Wir können aber glücklicherweise bis zum Abflug in zwei Tagen in seinem Haus wohnen. Die Thermarest Matte wird zerstört und entsorgt. Auf Nachfrage bei der Firma MSR bzw. Cascade Designs konnte ich meine Garantie in Anspruch nehmen und organisieren, dass ich eine neue Matte von Wellington (Firma Ampro) nach Auckland gesendet bekomme. Juhu 🙂

Eberhard fliegt zurück nach Deutschland. Ich fliege weiter nach Auckland und genauso wie bei der Einreise in Australien muss bei der Einreise nach Neuseeland alles penibel sauber sein.

Nach 29.102 km und nur 6 Platten (4 hinten, 2 vorne) wechsel ich zum ersten mal auf dieser Reise die Reifen. Es kommen die neuen Marathon Mondial Mäntel (wieder von Schwalbe zur Verfügung gestellt) drauf, die mir Roland bereits im Juni nach Palangka Raya mitgebracht hat. Lange genug (über 9000 km) habe ich diese nun im Gepäck herumgefahren.

Unser letztes gemeinsames Abendessen im The Dunes Café in Ocean Grove. In diesem Sinne, danke Papa für die tolle Zeit mit dir. Die drei Monate waren genial, wir haben so viel erlebt. Das wird für immer bleiben. 🙂

Mit einem öffentlichen Bus geht es am Vormittag des 7. November 2017 nach Geelong. Der junge Busfahrer ist super lässig und sagt wir brauche nichts bezahlen. Zur großen Überraschung treffen wir Ralphs Eltern im Bus. Von Geelong gibt es einen Airport Shuttle Bus, den wir online gebucht haben.

So kommen wir zügig und sicher zum Flughafen. Eberhard fliegt um 16:40 Uhr. Ich habe noch einige Stunden am Flughafen zu verbringen, bis mein Flieger um Mitternacht nach Auckland abhebt.

Neuseeland ich komme. 🙂

 

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