Posted by on 26. Dezember 2017

Welcome to New Zealand!

Mein erster Tag in Neuseeland wird gleich ein sehr harter Tag. Es beginnt damit, dass ich nach dem 4 stündigen Nachtflug, früh morgens um 4 Uhr in Auckland lande. Ein Nachtflug ist in der Tat keine gute Idee, denn richtig schlafen kann man nicht wirklich. Hier ist es bereits 6 Uhr. Die Einreise verläuft gut, nur das Zelt wird untersucht. Kurz bekomme ich Angst, ob wir es nach der letzten Nacht in Tasmanien auch wirklich sauber eingepackt haben. Nach zehn Minuten bekommt man sein Zelt zurück und muss es erstmal wieder ordentlich einpacken. Biosecurity nennt sich das ganze.

Danach suche ich eine ruhige Ecke im Flughafen und beginne mein Rad zusammen zu bauen. Leider bekomme ich, wegen der quasi schlaflosen Nacht, Kopfschmerzen. Zu allem Überfluss ist der Hinterreifen komplett platt. Ich wechsel den Schlauch. Verwunderlich ist, woher der Platten, trotz aller Vorsicht beim aufziehen der neuen Mäntel, kommt. Ich erkläre mir es so, dass der alte Schlauch vom alten Mantel ein kleines Loch hatte, welches durch den Luftdruck dicht hielt.

Nach ein paar Stunden ist alles fertig, es funkelt. Es kann los gehen.

Ziel für heute ist Waiuku, 60 km südlich, dort kann ich bei Leuten von warmshowers wohnen. Als ich losfahre beginnt es leicht zu regnen. Aber ich hab ja die fast neuen Radtaschen von Eberhard, die sollten dicht sein. Glücklicherweise hat Eberhard seine Front- und Back-Roller am Ende von Australien mit mir getauscht. Meine waren deutlich abgenutzt, viele Schnallen waren abgebrochen und sie sind nicht mehr absolut wasserdicht.

In meiner Landkarte ist der Te ARAROA (The Long Pathway) Wanderweg eingezeichnet, er führt vom Norden der Nordinsel (Cape Reinga) über 3000 km bis in den Süden der Südinsel (Bluff). Ich werde ihm und den vielen Wanderern, die ihn laufen, noch öfter in Neuseeland begegnen. Es sieht so aus als könnte ich auf dem Te Araroa durch das Puhini Reserve abkürzen. Leider finde ich den Weg nicht und fahre erstmal 2,5 km in eine Sackgasse. Letztendlich finde ich ihn doch, aber es geht über eine Grasweide mit tiefsten Hufabdrücken. Wie so oft muss ich zugeben, vermeintliche Abkürzungen dauern meist länger. 😉

Als nach dem Mittagessen mit Cola in Papakura mein Kopf immer noch nicht besser wird, nehme ich eine Ibuprofen und schlafe etwas in einem Park. Danach geht es mir wesentlich besser.

Auckland ist sehr verkehrsreich, der Teer ist äußerst grobkörnig, sodass jedes Auto irre laut ist. An diesem ersten Tag in Neuseeland habe ich keine Freude am Radfahren.

Noch 35 km geht es wellig gegen den Wind bis Waiuku, ich bin fertig. Erst als ich um 18 Uhr in die Straße von Maxine und Denis einbiege, kann ich mich freuen und bin wieder gut gelaunt. Die beiden heißen mich sehr nett willkommen und verstehen, dass ich fertig bin. Ich bekomme ein leckeres Essen und schlafe um 20 Uhr ein. Nach fast 12 Stunden Schlaf bin ich voll regeneriert. Mir geht es wieder gut. 🙂

Achja bei meiner Ankunft liegt zu meiner großen Freude ein Paket für mich bereit, meine neue Matte. 🙂

Bereits an meinem zweiten Tag in Neuseeland bekommen ich die Möglichkeit wandern zu gehen. Schön, das kann ich nicht ablehnen. Zusammen mit der Wandergruppe von Maxine und Denis geht es nach Pirongia. Ich bin der Jüngste, aber das macht nichts. Nach eine Stunde anspruchsvollem Wandern durch den Wald sind wir auf dem 723 m hohen Ruapane. Fantastisch!

Für den Rückweg laufen wir zu einem anderen Parkplatz. Der Te Araroa führt übrigens nur 2 km entfernt über den höchsten Punkt des Gebirges, den 959m hohen Pirongia.

In den insgesamt fünf Tagen die ich bei Maxine und Denis bin, kann ich wichtige Dinge besorgen, meinen Seidenschlafsack nähen, meine Sandalen kleben, den Schlauch flicken, an meinem Blog arbeiten und die anfängliche Route auf der Nordinsel planen. Zu den Anschaffungen gehören eine neuseeländische SIM-Karte, eine neue 4000 mAh Powerbank, Gaskartuschen und leichte wasserdichte Wanderschuhe mit Vibram Sohle.

Am Samstag abend ist das Dorffest des Ortes. Als es dunkel wird, gibt es ein gigantisches Feuerwerk. Kosten: 25.000 NZ$ (etwa 15.000 €), bezahlt von drei Privatpersonen!

Daheim in Nürnberg findet der Novemberlauf des DAV Nürnberg statt, sogar mit etwas Schnee. Hier auf der anderen Seite der Welt ist es fast frühlingshaft warm.

Am letzten Tag leihen Maxine und Denis einen Anhänger mit dem wir ein neues Sofa zu ihrem Ferienhaus in Onemana bringen. Ich helfe beim Tragen.

Onemana ist ein kleiner Ort an der Ostküste der Coromandel Halbinsel, der an einem 1 km langen weißen Sandstrand liegt und hauptsächlich aus Ferienhäusern besteht.

So komme ich auch zu meinem ersten Bad in Neuseeland im kalten Salzwasser des Pazifischen Ozeans. Der Pazifik ist der tiefste und größte Ozean der Erde, er grenzt an alle anderen Ozeane unserer Erde an! Weil es so interessant ist, noch ein paar weitere Fakten von Wikipedia:

Die Fläche des Ozeans ist so groß, wie die Hälfte der Meeresfläche der Erde und damit größer als die Fläche aller Kontinente zusammen.
Sein Volumen ist mehr als die Hälfte allen Wassers auf der Erde. Seine tiefste Stelle liegt bei 11.034 m unter dem Meeresspiegel, dem Marianengraben.
Die
größte Ausdehnung in West–Ost-Richtung hat der Pazifik zwischen China < 15.409 km > und Mexiko.
Die g
rößte Ausdehnung in Nord–Süd Richtung hat der Pazifik zwischen Sibirien < 15.883 km > und dem Kontinent Antarktika.

Am 14.11.2017 verabschiede ich mich von meinen angenehmen Gastgebern und begebe mich wieder auf die Straße. Das Foto ist leider nicht sonderlich gut, wegen dem Gegenlicht.

Ich habe mich entschieden nach Norden hinauf zum Cape Reinga, dem nördlichsten Punkt der Nordinsel, zu fahren. Dazu muss ich erstmal durch die 1,5 Millionen Metropole Auckland.

Bedrohliche Wolken türmen sich auf.

In Papakura komme ich bei einem Pizza Hut vorbei. Ein großes Schild wirbt mit einer Pizza für nur 5 NZ$ (3 €), da kann ich nicht widerstehen. Pizza Hut begann 1958 mit der Idee zweier amerikanischer Studenten. 1977 wurde das Unternehmen von PepsiCo übernommen. Seit 1997 gehört es zum Unternehmen Yum! Brands, dazu gehört unter anderen auch KFC.

Heftige Gewitter mit Hagel ziehen durch, ich kann mich gut unterstellen.

Bei der Brücke nördlich vom Flughafen treffe ich meinen ersten Tourenradler, ein junger Südkoreaner. Huni spricht leider kaum englisch, sodass wir nicht viel reden können. So bleibt es beim gegenseitigen Foto schießen. 😉

Aus Auckland raus herrscht viel Verkehr, ich steuere einen Campground des Auckland Councils an. Er würde nur 8 Dollar kosten, aber da niemand da ist und ich telefonisch nur eine Computerstimme erreiche, kann ich nicht zahlen. Egal.

Am nächsten Tag wird es spannend, denn ich will einen Kilometer einem Wanderweg zur nächsten Straße folgen. Der Weg ist steil und sehr matschig, schiebend gelange ich zu dem Tunnel mit der Pipeline und habe es geschafft. Die neuen Wanderschuhe bewähren sich gut.

Über kleiner Straßen gelange ich nach Kaukapakapa.

Ob diese Straße wohl zu meinem Ziel, den Chatham Islands führt???

Ab Kaukapakapa muss ich auf der SH16 fahren, aber ab hier ist die Verkehrsdichte akzeptabel gering.

Bereits am zweiten Tag wird mir klar wie bergig Neuseeland ist, oft mit steilen Rampen, denn heute waren es 70 km und 1000 Hm. Bei einem Boat Club gibt es öffentliche Toiletten und eine Rasenfläche. Beim Haus gegenüber frage ich, ob ich hier zelten kann. Praktischerweise ist der Mann der Hausmeister des Gebäudes und hat nichts dagegen.

Funkelndes Fundstück Fom Fahrbahnrand.

Die Bootsrampe wird abends, nachts und morgens von einigen Leuten benutzt. Nach meinem Frühstück kommt ein größeres Baggerschiff, Zeit für mich zu gehen.

Bis Wellsford ist die Welt noch in Ordnung. Doch dort endet die SH16 in die SH1, die verkehrsreichste Straße Neuseelands. Das weiß ich zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht und es gibt keine brauchbare Alternative in meiner Karte. 23 km bin ich dem gnadenlosen Verkehr ausgeliefert, scheußlich und gefährlich. Alle fahren sehr schnell und viele große Lkw sind unterwegs. Einen Seitenstreifen gibt es nur ganz selten, an vielen Stellen ist die Straße sehr schmal. Ich überlebe es und vereinbare den State Highway 1 absofort komplett zu meiden.

Endlich kann ich in die geschotterte Mountain Rd abbiegen. Endlich Ruhe. Ein Traum, diese Straße.

In der Nähe von Paparoa übernachte ich bei Danielle und David. Die beiden haben eine beef farm. Auf einer ihrer Radtouren in Europa, von Prag nach Paris, sind sie sogar durch Nürnberg gekommen. 🙂

Meine alten Klickpedalschuhe lasse ich zurück. Die Sohle ist sehr abgelaufen und oben haben sie Löcher bekommen. Ich habe ja jetzt neue Turnschuhe. Danielle wird sie für mich dankbarer Weise zu einem Second Hand Laden geben oder wegwerfen.

Es folgt ein schöner Rückenwind Tag. Was mich jedoch in Neuseeland sehr stört sind die Zäune überall. Sie sind tatsächlich überall, das nervt!! Alles Land ist eingezäuntes Weideland oder privat. Selbst Wälder sind eingezäunt. Es gibt keine öffentlichen Feld- oder Waldwege. Das ist sowas von einschränkend und raubt mir einen Großteil meiner Freiheit, was für mich gerade das Reizvolle am Radreisen ist. Wildzelten ist fast unmöglich. Selbst wenn ich einfach nur eine Pause machen will, kann ich keinen Ort finden der mich etwas von der Straße wegbringt, um Ruhe und Erholung zu bekommen. Ich bin dazu gezwungen am Straßenrand Pause zu machen.

Heute kommt nach vielen Kilometern endlich ein Friedhof, wo ich mich etwas ausruhen kann.

Ich passiere einen Campground, irgendwie habe ich heute keine Lust auf andere Leute und ich will es wissen, ob Wildzelten möglich ist!? Zugegeben nicht die klügste Entscheidung, aber gut.

So bleibt mir am Ende des Tages nur, die doch unangenehme Notlösung, ein Weidegatter zu öffnen und mein Zelt an einem versteckten Ort auf der leeren Kuhweide aufzustellen. Diesen nicht optimalen Ort zu finden, war wirklich nicht leicht. Hoffentlich erwischt mich keiner. Meine Vermutung, dass Wildzelten so gut wie unmöglich ist, bestätigt sich damit.

Heute fahre ich durch den Waipoua Forest, in dem man die uralten riesigen Kauri-Bäume bewundern kann. Bereits entlang der Straße erscheinen die Riesen.

Der erste Parkplatz, ist voll mit Leihfahrzeugen, sprich Touristen. Von dort gibt es drei kurze Wanderungen zu den größten Bäumen des Waldes: Yakas, Te Matua Ngahere und Four Sisters. Jeder Ort für sich birgt eine ganz eigene Faszination.

Der Vater des Waldes hat einen Umfang (girth) von 16,4 Metern.

Schaut man bei den Vier Schwestern nicht genau hin, könnte man meinen, es sei ein einziger Stamm.

Nur einen Kilometer später kommt der zweite Parkplatz für den größten und ältesten Kauri-Baum Neuseelands! Das Alter von Tane Mahuta wird auf ca. 2000 Jahre geschätzt, beeindruckend, verrückt, dieser Baum hat die Erdgeschichte seit Christi Geburt miterlebt!

“Der größte, durch einen Bericht aus dem Jahr 1919 überlieferte Kauri, Giant Kauri Ghost, lebte noch in den 1870er Jahren und hatte einen Stammdurchmesser von 8,54 Metern und einen Umfang von 26,83 Metern.” (Wikipedia, »Kauri-Baum«)

Nachdem ich von den Kauri-Bäumen fast verzaubert worden wäre, bringt mich ein PENG!!!! zurück in die Realität. Eine Speiche ist gerissen. Ach komm, nicht schon wieder. :/ Es ist der vierte Speichenriss insgesamt und seit dem Letzten in Tasmanien sind nur knapp 1000 km vergangen.

Ich schiebe ein Stück und nach ein paar hundert Metern kommt zum Glück eine kleiner Unterstand, gerade groß genug, denn es beginnt leicht zu regnen. Die Reparatur klappt gut und ich nehme mir viel Zeit das Rad optimal (mit meinen Wissen und Werkzeug) zu zentrieren, es läuft rund. Auf das es lange hält!

Das Beunruhigende an der ganzen Sache ist, dass ich jetzt nur noch eine Ersatzspeiche übrig habe. Ich muss baldigst neue Ersatzspeichen kaufen.

Wild zelten ist absolut unmöglich. Ich steuere ein interessant aussehendes Zeltplatzsymbol, ohne weitere Informationen, meiner Karte (OruxMaps) an. Mittlerweile regnet es mehr, 1,5 km und 100 hm folge ich dem sehr grob neu geschotterten Weg zur Mountain Lodge. Das ist zum Ende des Tages nochmal eine große Herausforderung, mehrere Male falle ich fast um. Aber es lohnt sich, denn so gelange ich tatsächlich zu einem wunderschönen Zeltplatz. Es gibt eine tolle Campingküche mit der besten Aussicht, die ich für mich alleine habe. Den ganzen Abend regnet es und starke Windböen ziehen drüber, erst spät abends stelle ich das Zelt auf.

Morgens entscheide ich noch einen Tag zu bleiben. Von den alten, sehr netten Besitzern kann ich hochwertige Lebensmittel kaufen. Der Mann hat gestern seinem Enkel gezeigt, wie man ein Lamm schlachtet. So komme ich zu einem Lammkotelett, frischer und direkter könnte es nicht sein. Außerdem kann ich Eier, Brot und Milch kaufen.

Eine kurze Wanderung bringt mich zu einem schönen kleinen Gipfel.

In der Küche entdecke ich in einer alten Bergzeitschrift einen Artikel über Skitouren gehen in Neuseeland, in den Southern Alps, dem höchsten Gebirge auf der Südinsel. Da bin ich mit Phillip Melchior ganz einer Meinung: “Compared to skitouring heli-skiing is fast food!”

Der Ausblick von der Küche auf die Abendstimmung ist malerisch.

Für die 1,5 km und 100 hm zurück bergab brauche ich genauso lange wie rauf, denn die großen losen Steine erlauben nur Schrittgeschwindigkeit.

Schon bald erreiche ich die Fähre, die mich von Rawene nach Kohukohu bringt, sie kostet gerade mal 2 NZ$, das Rad ist umsonst.

Das Radfahren ist heute absolut angenehm, es gibt keinen Verkehr mehr. Kurz vor Ahipara geht es über einen 180 m Pass, oben stoße ich auf den Te Araroa Wanderweg. In Ahipara tauchen überraschenderweise zwei Radfahrer auf. Es sind Deutsche (wie die meisten Touristen in Neuseeland), die eigentlich individuell unterwegs sind. Zufällig haben sie sich getroffen und fahren nun ein Stück zusammen. Sie sind den 90 Mile Beach gefahren und erzählen, dass es gut geht. Das gibt mir Hoffnung, denn das ist auch mein Plan.

 

 

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