Posted by on 14. Oktober 2018

Welcome to Germany!

Ich fahre auf guten kleinen Wegen und Straßen, aber wegen des Regens ist die Wegfindung schwierig, da ich nicht überall anhalten kann. Das Tablet wird sonst zu nass.

Ich bin mittlerweile triefend nass, ein kleines Schild im bayerischen Dialekt gibt mir eine fröhliche Grundstimmung.

Wenig später sitze ich in einem urigen Wirtshaus im Wald an der Alz. Innen ist es warm, außen schüttet ist, so kann ich ein bisschen trocknen und mich etwas aufwärmen. Obwohl es immer noch regnet, muss ich irgendwann weiter. Am späten Nachmittag erreiche ich Mühldorf am Inn, wo ich mich nach Zimmern erkundige. Die Preise die mir genannt werden, erscheinen mir sehr teuer, ich bin dieses Preisniveau nicht mehr gewöhnt. Aber ich habe kaum eine Wahl, denn zelten mit nasser Kleidung, nassem Zelt und keiner wirklichen Wetterbesserung ist keine gute Option. Ich bin ausgekühlt, entweder ich bleibe in Bewegung und produziere Wärme, oder ich muss mich endlich für ein Zimmer entscheiden. In Mühldorf am Inn ist dieses Wochenende Kirchweih, vieles ist ausgebucht. Beim letzten Hotel steht ein Schild: ADFC Bett + Bike. Das ist es doch, was ich brauche. Die Rezeptionistin möchte 60 € für ein Zimmer mit Frühstück. Ich denke mir, meine Gesundheit ist mir wichtig und zahle. Beim Ausfüllen des Zettels kann ich kaum schreiben, da meine Finger so kalt und nass sind. Das war also die richtige Entscheidung.

Alle meine Sachen sind über Nacht getrocknet, wunderbar. Gemütlich starte ich nach dem Frühstück um 10 Uhr, begleitet von leichtem Nieselregen. Es ist kalt und ich bin wieder nass, bei 12-13°C fahre ich bis Landshut. In einem Restaurant auf der Isarinsel wärme ich mich beim Mittagessen mit heißer Schokolade und Knödel mit Pilzrahmsoße auf.

So eine riesige Kirchturmspitze habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Auffällig ist außerdem wie viele Dächer hier in Bayern mit Photovoltaikanlagen bestückt sind, das ist schön zu sehen und freut mich sehr.

Ein weiteres Merkmal für Bayern sind kleine Kapellen, fast immer unter einer großen Linde und mit einer Bank zum Ausruhen. Rasten möchte ich bei diesem miesen Wetter dort nicht, aber die Bäume halten genügend Regen ab, so dass ich kurz auf meiner Karte nach dem Weg schauen kann.

Seit dem Mittagessen in Landshut hat der Regen nach und nach nachgelassen. Und die Straßen werden wieder trockener. So trocken wie im Sommer dieses Jahres sind sie aber noch lange nicht. Die Spuren der Hitze, die hier den Sommer über herrschte kann ich an den Maisfeldern gut erkennen. Fast alle, an denen ich vorbeifahre, sind gelb und verdorrt anstatt saftig und grün.

In Rohr in Niederbayern kaufe ich abends ein und fahre dann weiter auf einer gesperrten Straße, einer Baustelle. Der nasse Schotterweg ist weich und ich sinke leicht ein, nur langsam komme ich voran. Dabei erinnere ich mich an den 90-Mile-Beach ganz im Norden von Neuseeland, wo ich einen ganzen Tag am Strand entlang gefahren bin.

Allzu weit komme ich nicht mehr und zelte 15 km vor Kelheim an einem Waldrand. Es ist meine letzte Nacht im Freien als Nomade.

Morgens regnet es, also frühstücke ich im Zelt und komme nicht sonderlich früh los. Ab Kelheim folge ich der Altmühl bis Dietfurt. Nach dem Mittagessen sind es noch 84 km bis Neunhof, ich fahre am Main-Donau-Kanal entlang über Beilngries und Berching nach Freystadt. Unterstützt werde ich von einem angenehmen leichten Rückenwind. Ich bin schnell, nur ab und zu fällt leichter Nieselregen vom Himmel.

Die Altstädte sind schön, sehen aber alle sehr ähnlich aus. Welcher Ort ist das?

(Kleiner Tipp: Es ist nicht Freiburg, aber so ähnlich.)

Umso näher ich Nürnberg komme, desto bekannter und vertrauter werden mir Straßen und Umgebung. Zum Abschluss und als Erinnerung für mich porträtiere ich mich während dem Fahren kurz vor Nürnberg.

Alle Wege führen nach Nürnberg!

Das erste Ortsschild von Nürnberg. Juhu ich bin zurück!

Sehr spontan werde ich von Johanna und meinem Papa auf der Wöhrder Wiese empfangen, genau dort wo wir uns am 4. April 2016 von Freunden, die den ersten Kilometer mitgefahren waren, verabschiedet hatten. In den letzten Tagen war ich sehr unsicher, was ich will, aber letztendlich habe ich mich gegen einen großen Empfang entschieden. Ich bin so viel im Regen gefahren und fühlte mich einfach nicht frisch und bereit für viele Leute. Da konnte ich mir eine kleine Empfangsfeier nicht vorstellen, sondern wollte lieber ohne Termin in Ruhe ankommen, wann ich eben ankomme. So sind es heute am letzten Tag 130 km bis Neunhof geworden.

882 Tage war ich nicht hier, das sind zwei Jahre und fünf Monate. Während meiner Radtour auf die andere Seite der Welt bin ich in 32 Ländern gewesen, mal länger, mal kürzer. Heute Abend zeigt mein Kilometerzähler die Endsumme von 41.012 km auf dieser Reise. Jeder einzelne Tag war wertvoll und ich möchte keinen davon missen. 🙂

 

Vielen Dank an alle, die meinen Blog gelesen haben. Ich hoffe es hat euch gefallen.

Mal schauen, wann es mich wieder in die Welt hinauszieht…

 

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