Posted by on 20. Juli 2018

Von Kyllini fahre ich mit der Fähre auf die Insel Zakynthos, sie kostet 9 €, das Fahrrad ist umsonst.

Anfangs bin ich nicht sehr begeistert von der Insel, es ist viel Verkehr und ich fahre lange durch Partyorte. Nachdem der erste Zeltplatz verlassen ist finde ich etwas später den schönen kleinen Tartaruga Campingplatz, der seit 29 Jahren von einem Österreicher betrieben wird. Eine Serpentinenstraße führt steil bis zum Meer hinunter. Nach zwei Wochen lege ich meinen ersten Ruhetag ein.

In Exo Chora komme ich beim ältesten Olivenbaum der Insel vorbei. Er ist möglicherweise 2000 Jahre alt. Sehr beeindruckend.

Immer wieder sehe ich leider auch abgebrannte Wälder.

Wenig später erreiche ich den Aussichtspunkt auf die berühmte Bucht mit dem Schiffswrack (Navagio Beach). Die Bucht ist nur per Schiff erreichbar und umgeben von 100 bis 200 Meter hohen senkrechten Felswänden. Es sieht malerisch aus. Eine kurze Wanderung bringt einen zu fantastischen, exponierten Punkten von denen man in die Bucht blicken kann. Da es quasi das Highlight der Insel ist, tummeln sich die Menschen unten am Strand. Eine kleine Plattform direkt am Parkplatz ermöglicht einem ein sicheres Bild. Läuft man weiter entlang der Klippe, so wird es sehr exponiert.

Auch zur anderen Seite kann man wandern, das ist etwas länger und weiter bergab. Und im Nu bin ich alleine. So gelegt man direkt über das Schiffswrack.

Auf dem Rückweg schlage ich noch einen anderen Pfad ein und finde zufällig ein Gipfelbuch mit vielen BASE Jump Aufklebern. In dem Metallgehäuse befindet sich allerdings kein Buch. Ich habe den Ort gefunden, von dem die verrückten BASE Jumper hinunterspringen. Wer noch mehr Adrenalin möchte, einfach bei YouTube nach “BASE Jump Zakynthos” suchen. Und los geht’s…

Die Spinnen mögen es ihre Netze über den Weg zu spannen. Diese hier hat sich einen guten Vorrat eingefangen.

Ein paar Kilometer vor Agios Nikolaos finde ich einen Platz für mein Zelt. Nicht weit weg höre ich die Glocken der Ziegen läuten, ich denke jeden Moment kommt der Schäfer mit seiner Herde vorbei. Aber ich bleibe alleine, weder abends noch morgens bekomme ich Gesellschaft. So weit trägt der Wind die Geräusch. Und er schiebt eine Wolkenwand vom Meer auf mich zu.

Zum Hafen geht es nur bergab, von hier will ich die Fähre nach Pesada in Kefalonia nehmen. Nach einem Bad und einem Kaffee rolle ich fünf Minuten vor Abfahrt als letzter auf die Fähre (9 €). Obwohl das Meer ruhig aussieht, schwankt die Fähre stark. Ein Mann auf der Fähre trägt ein T-Shirt von Patagonia mit der Aufschrift: “You can’t eat money!”

Ein für mich typischer Stopp bei einer der vielen kleinen Bäckereien in Griechenland.

Von Pesada ist es nicht weit nach Mavrata, mittags komme ich bei Chris und Anita an. Die beiden sind vor kurzem von England nach Griechenland umgezogen. Sehr freundlich werde ich empfangen und verbringe mit ihnen einen entspannten Ruhetag. Zur gleichen Zeit ist außerdem ein Freund zu Besuch.

Auch Chris’s T-Shirt gefällt mir: „Adventure Before Dementia“

Bei einem Ausflug fahren wir mit dem Auto auf den höchsten Berg der Insel. Vom Parkplatz ist es noch ein halbe Stunde auf den 1624 m hohen Gipfel, den Ainos. Die Aussicht ist genial. Wolken ziehen umher, versperren die Sicht, aber geben sie gleich wieder frei. Auf dem Rückweg gehen wir im Meer schnorcheln.

Am nächsten Tag fahre ich weiter zur nördlichen Spitze der Insel. In Agia Efimia werde ich im Hafen von einem Mann angesprochen und auf ein Getränk auf sein Segelschiff eingeladen. Oreste kommt aus Norditalien, gerade sind sie zu siebt auf der Yacht. Ich bekomme sogar zu essen und zum Abschluss einen starken italienischen Kaffee. Solche unerwarteten kleinen Einladungen sind immer wieder eine Freude. 🙂

Es geht auf die andere Seite der Insel an die westliche Küste. Dort ist eine gute Straße in die steile Küste gebaut. Wie so oft sieht man die Schilder mit den Kosten und der EU Förderung. Außer dem Betrag (7 Mio €) kann ich aber nicht viel verstehen.

Abends zelte ich wieder etwas vor der Fähre, in der Nähe von Fiskardo, sodass ich am nächsten Morgen nur bergab rollen muss. Fast zwei Stunden braucht die Fähre von Fiskardo nach Nydri. Mit an Bord sind außer mir noch ein Paar aus Australien.

Schließlich erreiche ich Lefkada und besuche Sari aus Ungarn, die ich in Athen auf der Bafi Hütte kennen gelernt habe. Sie wohnt in einer WG mit fünf weiteren Leuten, die auch ihr EVS (European Volunteer Service) machen. Ich kann im Wohnzimmer schlafen und fühle mich wohl in der Gesellschaft der bunt gemischten Gruppe. Es erinnert mich sehr an meine Erasmus Zeit in Norwegen. So verbringe ich ein paar entspannte und erholsame Tage in Lefkada.

Wer Interesse an einem Geduldspiel hat, baut sich das Holzspiel auf dem Bild nach. Ziel ist es den Ring von der roten Kugel zur blauen Kugel zu bringen! Nicht verzweifeln, es ist sehr schwer.

Die Anschlagtafel bei einer alten Kirche wurde schon mit vielen Zettel zugetackert, meist werden dort Todesanzeigen aufgehängt.

Nach vier Tagen verlasse ich Lefkada mit einem lachenden und einem weinenden Auge, es ist nicht leicht so einen schönen, kleinen Ort mit so netten, lustigen Leuten zu verlassen. Aber ich habe einen Plan, in 12 Tagen will ich in Dubrovnik sein. Karin, meine Schwester, wird mich besuchen. 🙂

Früh morgens breche ich auf und gelange über die bewegliche Brücke wieder aufs Festland.

Ich begegne meiner ersten lebenden Schlange in Griechenland.

Nach Preveza gibt es ein kurzes Tunnel unter dem Meer, welches für Radfahrer verboten ist. Vor zehn Jahren kam ich von der anderen Richtung und trampte mit einem Jeep hindurch. Ich musste damals zum Glück nicht besonders lange warten. Im Internet habe ich nachgelesen, dass es mittlerweile einen kostenlosen Service gibt, der einen durchs Tunnel fährt. Ich komme bei der Zahlstelle an und die Kassiererin ruft für mich auf der anderen Seite des Tunnels an. Sie sagt ich soll warten. Nach einer Weile frage ich nach, wie lange? Sie weiß es nicht und ruft nochmal an. Vier mal frage ich nach. Es ist bereits über eine halbe Stunde vergangen. Ich hab keinen Lust mehr zu warten. Das Tunnel ist echt kurz, nur 1 km, außerdem herrscht kaum Verkehr. Ich sehe es nicht ein so lange zu warten für ein lächerliches Tunnel, durch das ich in 3 Minuten durchfahren kann. So entscheide ich mich durchzufahren. Langsam steige ich auf mein Rad und pedaliere gemütlich zum Tunneleingang. Niemand ruft mir hinterher, keiner rennt mir hinterher. Die griechische Lockerheit/Trägheit. Ich erinnere mich zurück an die Situation in Thailand, als wir die Grenze nach Laos überqueren wollten, dort gibt es eine Brücke, die man nicht mit dem Fahrrad befahren darf. Jedoch hatten die Männer dort Maschinengewehre und sobald wir nur einen Schritt Richtung Brücke machten versperrten sie den Weg.

Ich fahre ins Tunnel, es ist sehr breit, es gibt sogar einen Gehsteig. Kurz denke ich, hoffentlich werden das nicht die teuersten Kilometer meiner Reise. Mit 47 km/h bergab und anstrengend bergauf, da ist auch schon das Ende des Tunnels. Als ich es gerade verlasse, kommt mir ein gelbes Servicefahrzeug entgegen. Verärgert ruft mir der Fahrer zu: “Why did you go in!?” Zum antworten ist leider keine Zeit. Ich hoffe sehr, dass er sich die Antwort denken kann!

Sogleich verlasse ich die Hauptstraße und verschwinde im Ort.

 

Etwas später folgt die erste Schottereinlage, die zu einem wild verwachsen Weg mit vielen Spinnennetzen wird. In der Ferne glitzern die Solarzellen.

In Kambi mache ich eine lange Mittagspause, es ist irre heiß heute. Mein Thermometer zeigt 34°C im Schatten.

Frankreich gewinnt 4:2 gegen Kroatien und ist neuer Fußball-Weltmeister. Fast bis Ioannina komme ich an diesem Tag und stelle mein Zelt auf eine Wiese neben einer Hühnerfarm, der Geruch ist nicht angenehm, aber einen besseren Platz konnte ich nicht finden.

Blumenpracht am Straßenrand. Nicht zu vergessen sind die vielen kleine Kirchen entlang jeder Straße, die überall in Griechenland zu finden sind.

“Ich und mein Holz!” Wer es nicht kennt, einfach mal bei YouTube anschauen, ist ein lustiges Video + Lied.

Gegen abend überquere ich die Grenze, des sehr wenig frequentierten Grenzübergangs, nach Albanien.

 

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