Posted by on 21. Juni 2018

Mit der Fähre kommen wir in Queenstown an, es ist voll mit Touristen. Nach einer Kugel Eis des Patagonia Cafés verlassen wir die Stadt schnell wieder. Hinter Lower Shotover finden wir einen geeigneten Platz zum wild zelten.

Es ist sehr kalt, mit gefroren Wassertropfen auf dem Zelt wachen wir auf.

Heute ist kein guter Tag. Der Verkehr ist miserabel, wir fühlen uns hilflos und ausgesetzt. Wie wir später erfahren, herrscht so viel Verkehr, da in Wanaka eine große Farmer Messe ist. Zudem ist heute ein MTB Rennen (4000 Teilnehmer!) und alle müssen zurück zum Startort nach Wanaka kommen. Es wird viel zu dicht und schnell überholt, das ist das Schlimmste an Neuseeland.

Eine Passstraße bringt uns  von 400 m auf 1100 m. Oben treffen wir ein Paar aus Thailand, die mit ihren Rädern hier sind.

Ein Zaun mit hunderten BHs ist ein Blickfänger. Ganz klar ist die Entstehung nicht, aber mittlerweile ist es ein Zaun zum Gedenken an Todesopfer von Brustkrebs.

Wir sind absolut fertig vom Verkehr und glücklich es überstanden zu haben, als wir in Wanaka ankommen.

Zu allem Überfluss sind wegen der Messe und dem Rennen alle Zeltplätze ausgebucht. Wir sind verzweifelt und brauchen erstmal einen Kaffee von einer Straßenbude. Ich werde von einer jungen Frau in Laufklamotten angesprochen, sie hält mir ihren Eisbecher entgegen. “Do you want to have my ice-cream? I got it for free, but I go for a run now.” lch antworte spontan: “Oh yes sure, thank you!” Und füge hinzu: “Ähm, do you know a place where we can camp? Maybe in your garden? Because all the camping places are fully booked.”

So kommen wir ins Gespräch, Sarah kommt aus England und will uns helfen, sie hat auch schon Radtouren unternommen und kennt die Situation. Gerade wohnt sie bei Freunden im Wochenendhaus. Sie ist heute unser Engel. Sie ruft ihre Freunde an und die sind einverstanden. Was für ein Glück. 🙂

Wir stellen unser Zelt auf, gehen noch einkaufen und essen direkt am See zu abend.

Aus einer Nacht wird eine Zweite und als wir Sarah zum Eisessen beim Patagonia Café einladen kommt plötzlich Max Magura um die Ecke. Seit dem Hostel in Te Anau kennen wir ihn. Wir treffen und werden ihn immer wieder treffen.

Nach dem Ruhetag, sind wir bereit für die Westküste. Bis Hawea folgen wir einem wilden, schönen Cycle Trail. Danach geht es auf dem Haast Highway (SH 6) weiter. Schlimmes haben wir über den Verkehr hier gehört, aber zum Glück ist es voll ok, denn der Sommer neigt sich dem Ende, es ist bereits Mitte März (vergleichbar mit Mitte September bei uns), und die Anzahl der Touristen lässt nach.

Johanna finder etwas leuchtend Orangenes am Straßenrand. Vermutlich hat es ein lustiger Baustellenarbeiter verloren.

So sieht Neuseeland (eigentlich) auch aus. Alleine ist man selten auf den günstigen Zeltplätzen. Die Campervans, Leihautos und Wohnmobile dominieren das Land, zumindest die bekannten touristischen Gebiete.

Als wir am DOC Zeltplatz Cameron Flat ankommen sind bereits andere Radfahrer da und jemand ruft: “Michael”

Ich brauche ein paar Sekunden und erkenne Adonis. Ihn und seine Schwester Sia habe ich zu Beginn auf der Nordinsel nördlich von Auckland kennen gelernt. Gerade sind die beiden getrennt unterwegs, die Pläne zusammen nach Frankreich zurück zu fahren scheinen nicht mehr allzu aktuell. www.rayonvagabond.com

Am nächsten Tag geht es gemütlich den Haast Pass (562 m) hinauf, von unserer Seite ist er ein Kinderspiel. Von der anderen Seite dagegen, ist es eine steile Rampe, wie wir von Adonis und dem französischen Paar von gestern abend wissen.

Auf der Abfahrt nach Haast sind mehrere Wasserfälle zu bestaunen.

Abends sind wir in Haast und lassen es uns im bikepacker-style (Bikepacker transportieren nicht so viel und gehen daher auch öfter essen) gut gehen. 20 NZ$ für ein vegetarisches Buffet ist genau das Richtige für uns.

Zugang zum Meer gibt es an der Westküste nicht sonderlich viel. Lange Kleidung und Socken sind Pflicht, sonst wird man von den Sandflies zerfressen.

Das Wetter ist nicht sonderlich gut, immer wieder werden wir nass. Spätnachmittags entscheiden wir noch 34 km weiter zu fahren, das zieht sich, fertig und klatschnass kommen wir bei unsere reservierten Campsite an. Wir probieren unser Glück und fragen ob nicht doch eine cabin frei ist. Nein, leider nicht. Aber für 60 NZ$ können wir in einer Art zweiter Wohnküche schlafen. Genial, genau das haben wir gebraucht, zelten wäre sehr ungemütlich geworden.

Für die nächsten Tag ist ab dem Nachmittag gewaltig viel Regen angekündigt. 35 km sind es bis Fox Glacier, im BBH Hostel bekommen wir die letzten zwei freien Betten. Abends sind wir im kleinen Pub mit guter Livemusik, außen schüttet es in strömen. Über Nacht fallen 85 mm Niederschlag, das ist die durchschnittliche Niederschlagsmenge des regenreichsten Monats (Juni) in Nürnberg.

 

Über drei kleine Pässe gelangen wir nach Fox Glacier. Bei unserer Mittagspause gesellt sich ein Radfahrer aus Uruguay zu uns und später kommt auch noch Max Magura dazu. Max hat vor ein paar Jahren eine coole Tour unternommen. Er ist von Berlin mit dem Rad zum Nordkap. Etwas südlich davon hat er sich sein Seekajak liefern lassen und ist dann über das Fluss-Seen-System und die Ostsee zurück gepaddelt. Danach wollte er eigentlich mit einem Kumpel eine Weltumradlung machen, aber auf dem Weg nach Istanbul wurde klar, dass es nicht funktioniert. Alleine wollte Max nicht weiterfahren und musste auch abbrechen.

Cola + Fanta = Spezi

In Hokitika übernachten wir beim 74 Jahre alten Kevin. Abends schauen wir zu den glowworms, die durch ihre Biolumineszenz nachts leuchten.

Von Hokitika nach Greymouth gibt es einen lohnenden Fahrradweg, den West Coast Wilderness Trail.

Das ist kein Kiwi, sondern der Weka Vogel, er ist auch flugunfähig und äußerst dreist, sodass man sein Essen gut bewachen muss.

Wir passieren Greymouth und müssen auf dem Weg nach Westport bei Leuten fragen, ob wir übernachten können. Beim zweiten Haus bekommen wir eine prompte Antwort. “Sure you camp.” Die Familie ist sehr nett und wir können duschen.

Danach besichtigen wir die Pancake Rocks.

Abends erreichen wir Westport. Bei Wayne’s World Westport Hostel wollen wir zelten, doch als wir ankommen sagt uns der Besitzer, wir können für den gleichen Preis in einem Zimmer schlafen. Da sagen wir nicht nein. Wayne ist sehr nett und wie wir später erfahren einer der reichsten Leute in Westport.

Entlang der Buller Gorge fahren wir Richtung Murchison. In Inangahua gibt es ein nettes kleines Café mit sehr netten Besitzern. Wir dürfen die Kuchenrezepte des privaten Kochbuchs abfotografieren.

Über Nacht sind wir zu Gast bei Bob, er wohnt sehr idyllisch und abgelegen.

Nur das Wetter will nicht so recht und da es uns gut gefällt, bleiben wir noch eine Nacht bevor wir weiter nach Glenhope zum Hu Ha Farmstay fahren. Die Unterkunft ist sehr schön, es gibt ein wärmendes Kaminfeuer und einen Plattenspieler. Wiedermal sind wir allein und genießen den Luxus nach einem kalten Tag. Über Nacht fällt viel Regen und unsere Planung ist somit gut aufgegangen.

Zwei Kilometer müssen wir zurück. Es gibt eine tolle Alternative zur Hauptstraße, anfangs noch geschottert, später geteert. Der Herbst ist da, die Blätter färben sich. Der Kilometerzähler zeigt 35.000 km.

Abends kommen wir zu Toby und Kate. Die beiden sind 2014 und 2015 von Neuseeland nach Irland geradelt. Wir fühlen uns wunderwohl in ihrem gemütlichen Haus. Eine Art Gelegenheitskauf, weil sie so günstig waren, sind zwei gebrauchte tourentaugliche Fatbikes. Am nächsten Morgen entscheiden wir uns spontan die beiden mit zu einem Waldorfschul-Fest zu begleiten.

 

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