Posted by on 13. Juni 2018

Um 17 Uhr, am Montag den 15. Januar 2018 hole ich Johanna vom Flughafen in Christchurch ab. 

Ihr Fahrrad hat Johanna nicht mit im Gepäck. Stattdessen hat sie organisiert, dass wir zusammen bei unserem Gastgeber ein Fahrrad selber aufbauen können, für einen sehr angemessen Freundschaftspreis. Denn Brian hat noch einen alten Surly Cross Check Rahmen rumliegen und auf Grund seines Berufs genügend Anbauteile, nach zwei Tagen ist das Werk fertig! 🙂

Achja Schutzblech haben wir auch noch daran gebastelt. Kleine Vorwegnahme, bis auf leichte Probleme mit den Pedalen (Johannas Spezialität 😉 ) hat das Rad die drei Monate auf der Südinsel wunderbar durchgehalten.

Die ersten paar Tage in Christchurch vergehen wie im Flug. Wir helfen Brian ein bißchen bei seiner Arbeit unternehmen eine erste kleine Wanderung in der Hitze. An einem Abend treffen wir Sam (ich habe ihn bei der Molesworth Station getroffen) auf ein Bier, er gibt uns zahlreiche wichtige Tipps und Infos wo es sich mit dem Rad auf der Südinsel lohnt. Danke Sam!

Die Zeichen des großen Erdbebens von 2011 (Stärke 6,3) sind noch immer unverkennbar. Vielzählige Baustellen und leer stehende Häuser prägen das Stadtbild.

 

Wohnen können wie in Brian’s Wohnwagen. Am Sonntag morgen, dem 21.01.2018 sind wir startklar und die Reise kann beginnen.

Dankbarerweise ist es heute bewölkt. Es geht 400 Hm hinauf zum Mt Pleasant, vom Grad hat man Sicht auf Lyttleton, ein kleiner Ort mit dem bedeutenden Frachtschiff Hafen von Christchurch.

Unser Plan für die ersten Tage ist es die Banks Peninsula (Akaroa Halbinsel) zu erkunden. Wir folgen der Summit Road, die entlang des alten Vulkan Graters führt, oft werden wir von anderen Radfahren auf die Frankenfahne angesprochen. Unerwartet kommt eine Quelle, das merkwürdige dabei ist, es ist die erste die ich in Neuseeland sehe und es wird auch die einzige bleiben, bei einem Land mit so vielen Bergen Flüssen und Niederschlag!? In abgelegenen Gegenden ist Flusswasser aber immer Trinkwasser.

In Diamond Harbour kommen wir gerade noch rechtzeitig zu einem kleinen Samba Musikfestival.

Danach geht es nochmal 400 Hm hinauf, leider sehr sehr steil, zu steil. Was haben die sich denn beim Straßenbau gedacht? Oben kommt unsere Rettung, eine verlassene Shelter Hut. Daneben stellen wir unser Zelt auf, natürlich nicht legal. Es ist ein toller Platz. Für den ersten Radeltag war das gleich nicht ohne, 1400 Höhenmeter auf 58 Kilometer Wegstrecke. 

Mitten in den Wolken, unsichtbar, durch den Nebel verschleiert, wachen wir auf. Eine steile Abfahrt bringt uns nach Port Levy. Anschließend mühen wir uns entlang einer reizvollen Schotterstraße über einen 500 m Pass.

Später erreichen wir die Summit Road, die quasi entlang des Akaroa Kraters führt. Die Nebelstimmung ist fantastisch. Wir haben keine Sicht mehr, es fühlt sich an als ob die Straße schwebt. Zum Wildzelten müssen wir unsere Räder über ein Gatter heben. “Neuseeland ist ein Zaun!” Am heutigen zweiten Tag waren es 1300 Höhenmeter auf nur 39 Kilometer, verdammt bergig.

Doch am nächsten Morgen werden wir zu 100% von den gestrigen Strapazen entschädigt. Die Stimmung ist gigantisch, wir können uns nicht satt sehen. Das hätte keiner von uns beiden nach dem nebligen abend erwartet. Dieser traumhafte Übernachtungsplatz bleibt uns lange in Erinnerung. 🙂

Die Entscheidung, ob wir das Hinewai Reserve besuchen, ist nicht leicht, denn wir haben kaum mehr an Essen übrig. Umso mehr wissen wir es zu schätzen, dass wir diesen herrlichen Ort besuchen. Hugh Wilson ist ein bemerkenswerter Mann, der dieses Schutzgebiete gegründet hat und fleißig umsorgt. Es ist ein Geheimtipp und für Umweltfreunde absolut zu empfehlen. Für 20 NZ$ kann man in der gemütlich Hütte übernachten. Das Geld kommt dem Hinewai Reserve zugute. Alle weiteren Infos hier:

www.hinewai.org.nz

Gleichzeitig mit uns sind zwei urige Männer in der Hütte. Mit Ralph und Michael verbringen wir einen lustigen Abend. Beide haben kleine Rollen in den Herr der Ringe Filmen gespielt. Michael Elsworth (rechts) war ein Double für Gandalf.

Durch eine Wanderung nach Akaroa, zurück umsonst mit dem Taxi praktischerweise, können wir unsere Lebensmittelvorräte wieder auffüllen und eine weitere Nacht bleiben.  

Eine wiedermal sehr steile Abfahrt bremsen wir nach Akaroa hinunter. Dort gibt es nette kleine Häuschen mit französischem Einfluss.

Unerwartet bekommen wir von einer Autofahrerin Gemüse aus ihrem eigenen Garten geschenkt. 🙂

Einen weiteren Tag zeigt sich uns die Schönheit dieser vulkanischen Halbinsel. Erneut entscheiden wir uns für die umwegige, bergige Schotter Variante. Auf der Hauptstraße wäre es unleidlich mit zu viel Verkehr. So hingegen genießen wir. Der Verkehr geht gegen Null und langsam verspeisen die Wolken die umliegenden Berge. Vor einem kleinen roten Hütchen finden wir einen Platz, der gerade groß genug für unser Zelt ist.

Am darauffolgenden Morgen rollen wir bergab in den kleinen Ort Little River. Von dort gibt es einen Fahrradweg (cycle trail), den Little River Rail Trail, entlang der alten Bahntrasse nach Christchurch. Diesem folgen wir bis Lincoln, danach biegen wir ab Richtung Darfield, wo wir bei Liz übernachten können. Links und rechts  des Radweges finde wir viele Früchte: Brombeeren, Äpfel, Birnen und Pflaumen.

Banks Peninsula beeindruckte uns beide sehr und bleibt für uns ein Highlight von Neuseeland!

 

Liz’s Partner ist Farmer und zeigt uns am nächsten Tag seine kleine Farm. Er hat einen alten deutschen CLAAS Mähdrescher. Mit “nur” 500 Schafen arbeitet er alleine auf seiner Farm. Ein Schaf steht gesondert von der Herde, es leidet an Mückenlarven die sich im Fell eingenistet haben. Mit dem Motorrad wird es schnell eingefangen und mit einer Chemikalie behandelt, welche die Larven tötet. 

Beim Rakaia River parken wir unsere Räder tagsüber am Zeltplatz und wandern 5 km entlang der eindrucksvollen Rakaia Gorge.

In Geraldine rede ich kurz mit einem Holländer, der in Neuseeland lebt. Sein Lastenfahrrad hat er mitgebracht.

Auf dem Weg nach Fairlie zelten wir wieder wild. Dazu müssen wir in ein Feld einbrechen und hoffen, dass uns niemand erwischt.

Kurz vor Fairlie rasten wir oben am kleinen Pass in einem schönen Café. In Neuseeland bestellt und bezahlt man immer zu Beginn an der Theke, das ist äußerst praktisch, denn man kann einfach gehen wann man will und muss nicht lange auf die Bedienung warten bis sie kommt.

Aufgrund einer angekündigten Schlechtwetterperiode mit heftigem Wind und Niederschlag bei Mount Cook sind wir gezwungen in Fairlie am Zeltplatz aus zu harren.

Zum Spaß tauschen wir für ein Bild unsere Ortlieb Taschen, so dass an Johannas Rad nur noch graue hängen, an meinem nur noch rote. 😉

Es sind irre heiße Tage. In Fairlie werden Höchsttemperaturen gemessen, 34,4°C sind es am Dienstag, dem 30. Januar 2018. Das lässt sich am besten im Schatten aushalten.

Dieser kleine Freund ist sehr lustig und heißt fantail. Er fliegt ganz nahe zu einem und um einen herum, fast wie ein Tanz. Der Grund dafür sind die kleinen Insekten die um uns Menschen herumschwirren.

Leider ist das gute MSR Hubba Hubba Zelt nicht mehr zuverlässig wasserdicht, ein Dauergebrauch von eineinhalb Jahren zeigt seine Spuren. Aufgrund dessen und des reichhaltig angekündigten Niederschlages mieten wir uns für die dritte Nacht eine cabin.

 

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